
Enzym statt Rauch
Malz & Torf
Torfmoore, wie sie Schottland prägen, gibt es in Ontario nicht. Hier wuchsen nie die ausgedehnten Moorflächen, die anderswo jahrhundertelang als Brennstoff zum Darren dienten. Der Rauchgeschmack, den man aus anderen Regionen kennt, fehlt deshalb komplett. Das Malz wird stattdessen mit Erdgas oder Dampf getrocknet, geruchsneutral, ganz ohne Torffeuer.
Gebraucht wird das Malz trotzdem, nur für eine andere Aufgabe. Beim Keimen bildet die Gerste Enzyme, die später die Stärke aus Mais und Roggen in Zucker zerlegen. Ohne dieses Malz könnte die Hefe die Maische gar nicht vergären. Der Anteil bleibt klein, oft nur ein Bruchteil der gesamten Getreidemischung. Das ist ganz anders als bei einem Malt Whisky, der zu hundert Prozent auf gemälzter Gerste steht.
Weil der Rauch fehlt, tragen Mais und Roggen den Geschmack allein. Der Mais liefert die milde Süße, der Roggen die Würze mit Pfeffer- und Kräuternoten. So entsteht ein Whisky, der von Getreide erzählt statt vom Moor. Wer nach Rauch in einem Ontario-Whisky sucht, wird enttäuscht. Wer stattdessen auf Getreide-Nuancen achtet, findet hier mehr als anderswo in Kanada.
In Windsor mälzt Hiram Walker nach demselben Prinzip: warme Luft statt Feuer, damit kein Rauch ins Malz zieht. Bei Canadian Mist in Collingwood zeigt sich das im Detail. Mais und Malz kommen aus Ontario, Roggen aus Alberta, alles ungeräuchert vermälzt und vermahlen. Kein Torfstich, keine Darre mit Qualm, nur Mühlen, Malzsilos und die kühle Luft vom Georgian Bay.
Dunkler, humusreicher Lehmboden, in dem Mais und Roggen wurzeln.
Die Wurzel: Fruchtbare Krume gibt dem Getreide gleichmäßiges Wachstum – die Grundlage für eine saubere Maische.