
Kupfer & Kolonne
Brennen
Drei Brennereien, drei völlig verschiedene Blasenparks. Bei Willowbank, der alten Brennerei nahe Dunedin, standen ursprünglich Anlagen aus Edelstahl. 1981 tauschte Seagram sie gegen kupferne Pot Stills, wie sie in Schottland üblich sind. Daneben liefen vier Kolonnenblasen für Getreidewhisky. Nach der Schließung 1997 wurden alle sechs Anlagen nach Fidschi verkauft, wo sie seither Rum brennen.
In Riverhead bei Auckland steht bei Thomson nur eine einzige Blase, ein 900-Liter-Kupferkessel, von Hand getrieben und aus Portugal eingeführt. Zweifach gebrannt wird im klassischen Pot-Still-Verfahren, eine Kolonne fehlt hier ganz bewusst.
Cardrona in Central Otago geht den umgekehrten Weg: Fünf Blasen stehen hier zusammen. Ein Paar kupferner Forsyth-Pot-Stills mit 2.000 und 1.300 Litern Fassungsvermögen steht neben einer kontinuierlichen Kolonnenanlage und einer eigenen Nachbrennblase. Beide Kolonnen baute die deutsche Firma Jacob Carl.
Diese Mischung aus schottischer Pot-Still-Tradition und deutscher Kolonnentechnik erlaubt viel. Cardrona stellt in einer einzigen Brennerei mehrere Whiskystile her. Sie reichen vom kräftigen Malt bis zu leichteren Destillaten aus der Kolonne. Am 23. Oktober 2015 lief zum ersten Mal Spirit aus den neuen Anlagen. Die ersten Fässer wurden im selben Monat noch eingelagert.
Auch in Neuseeland trennt der Brennmeister bei jedem Brand das Herzstück vom Vor- und Nachlauf. Nur dieser mittlere Teil des Laufs kommt ins Fass. Vorlauf und Nachlauf wandern zurück in den nächsten Durchgang. Wie eng ein Haus diesen Schnitt setzt, bleibt Betriebsgeheimnis und prägt trotzdem hörbar den Charakter des fertigen Whiskys.