
Moos statt Heide
Malz & Torf
Torf ist in Neuseeland die Ausnahme, nicht die Regel. Die meisten Brennereien mälzen ihre Gerste ungetorft. Wer trotzdem Rauch will, bezieht getorftes Malz von der Gladfield-Mälzerei in Dunsandel. Sie ist die einzige Mälzerei des Landes, die diesen Schritt im großen Stil anbietet. Ihr Torf stammt aus Mooren am Rand der Canterbury-Ebene.
Das Moor, aus dem dieser Torf stammt, unterscheidet sich stark von den Torfmooren Islays. Statt Heidekraut und verrottetem Holz wächst hier vor allem Sphagnum-Torfmoos, dazu kommen Sauergräser und Flachs. Diese Pflanzen enthalten kein harziges Lignin, und genau das macht schottischen Torfrauch so medizinisch. Genau dieser Ton fehlt dem neuseeländischen Torf, denn kein Wald steht in der Nähe, der ihn liefern könnte.
Das schmeckt man im Glas. South Island Peat von der Thomson-Brennerei bei Auckland wirkt eher erdig-moosig als rauchig-jodig. Matt Thomson trieb das Experimentieren noch weiter: Schon 2005 testete er zu Hause, wie sich Manuka-Holzrauch auf gemälzter Gerste macht, bevor er sich endgültig für das Torfmalz aus dem Süden entschied. Heute bieten trotzdem nur wenige Häuser überhaupt einen getorften Whisky an.
Auf Islay gehört der Torfstich seit Jahrhunderten zur Landschaft. In Neuseeland ist das Mälzen mit Rauch dagegen ein bewusster Stilentscheid einzelner Brennereien, keine historische Notwendigkeit. Die meisten Häuser im Land stellen ihren Whisky bis heute ganz ohne Torf her. Für sie zählt die Süße der Canterbury-Ebene mehr als der Rauch des Moors.
Junges, kaum zersetztes Torfmoos, durchsetzt mit Wasser.
Die Wurzel: Dieses junge Moos brennt hell und schnell ab, sein Rauch bleibt mild.