
Schnelle Reifung
Fass & Reifung
Über tausend Fässer lagern bei Zuidam in Baarle-Nassau. Neues amerikanisches Eichenholz steht neben gebrauchten Bourbonfässern, dazu kommen Oloroso- und Pedro-Ximénez-Sherryfässer, Tawny Port, Palo Cortado und sogar Rivesaltes aus Südfrankreich. Jede Fassart hinterlässt eine andere Handschrift im fertigen Whisky, von heller Vanille bis dunkler Trockenfrucht.
Der 100 Rye reift komplett in neuem amerikanischem Eichenholz, hundert Monate lang, gut acht Jahre. Frisches Holz gibt schneller Vanille, Kokos und Gewürznoten ab als ein schon einmal befülltes Fass. Bei einer so kurzen Reifezeit für Whisky-Verhältnisse ist das ein bewusster Kniff, um trotzdem Tiefe zu bekommen.
Diese acht Jahre wirken in den Niederlanden anders als anderswo. Das milde, feuchte Küstenklima lässt den Whisky schneller mit dem Holz arbeiten als das kühlere schottische Klima. Der jährliche Engelsanteil, also der Teil, der im Lagerhaus einfach verdunstet, liegt bei Millstone bei vier bis sechs Prozent. In Schottland sind es im Schnitt nur etwa zwei.
Das kostet Menge, bringt aber Tempo: Was in Schottland zwölf oder mehr Jahre braucht, kann in Baarle-Nassau schon nach acht ähnlich reif schmecken. Am Ende wird der 100 Rye mit hundert US-Proof abgefüllt, fünfzig Volumenprozent, unverdünnt genug, um das Fass noch deutlich zu schmecken.
Ein Lagerhaus in Brabant ist also mehr als ein Regal voller Fässer, es hat ein eigenes Tempo. Wer früh reinschmeckt, bekommt oft schon, wofür andere Regionen doppelt so lange warten.