
Roggen, Sherry, Rauch
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Wer zum ersten Mal niederländischen Whisky probiert, erwartet oft eine Kopie von Scotch. Millstone schmeckt aber deutlich nach seiner eigenen Herkunft in Baarle-Nassau: kräftiger, würziger, mit einer Süße, die eher an Sherry und frisches Holz erinnert als an Torfrauch. Nur die getorften Abfüllungen zeigen das Gegenteil.
Der 100 Rye steht für die würzige Seite: reiner Roggen, neues amerikanisches Eichenfass, fünfzig Volumenprozent. Erwarte Pfeffer, Nelke und einen trockenen, fast brotigen Kern. Solche Eigenschaften sind typisch für hohe Roggenanteile, ein Gerstenmalt liefert sie so nicht. Wer Roggen-Whisky zum ersten Mal trinkt, erkennt dieses Muster schnell wieder.
Die Oloroso-Sherry-Cask-Abfüllung, zehn Jahre gereift, zeigt die andere Richtung: Rosinen, Nüsse, ein Hauch Orangenschale. Dazu kommt die Fülle, die lange Zeit im Sherryfass mitbringt. Zwischen diesen beiden liegt der getorfte Millstone mit Pedro-Ximénez-Fass, der Rauch und dunkle, fast pflaumige Süße verbindet.
Am besten schmeckt man sie nüchtern und ohne Eile: erst pur riechen, dann ein winziger Schluck ohne Wasser. Wer will, gibt danach ein paar Tropfen stilles Wasser dazu, das öffnet oft weitere Aromen. Zwischen den drei Sorten zu wechseln zeigt schneller als jede Beschreibung, wie unterschiedlich eine einzige Brennerei klingen kann.
Ein Nosingglas mit schmaler Öffnung bündelt die Aromen, ein breites Wasserglas verwässert sie eher. Zeit zählt dabei mehr als Ausrüstung. Ein Millstone, der zehn Minuten im Glas steht, zeigt oft mehr als der erste Schluck direkt nach dem Einschenken.