Malz & Torf in der Region Waldviertel

Nadelholz statt Heidemoor

Malz & Torf

Torf ist im Waldviertel keine Selbstverständlichkeit wie auf Islay. Dort liegt er seit Jahrhunderten unter jedem zweiten Grasbüschel. Im Granit- und Gneishochland der Böhmischen Masse gibt es dagegen nur vereinzelte Moorflächen. Sie entstehen dort, wo der wasserundurchlässige Granit Regenwasser staut, bis sich über Jahrtausende eine feuchte, saure Torfschicht bildet.

Anders als das Heidemoor an der schottischen Westküste speist sich der Waldviertler Torf vor allem aus Nadelholz. Fichten- und Kiefernreste verrotten im sauerstoffarmen Moorwasser nur langsam. Wird dieser Torf verbrannt, riecht der Rauch weniger medizinisch-jodig als sein schottischer Verwandter, dafür harziger und erdiger. Diesen Unterschied schmeckt man in den geräucherten Whiskys aus Roggenreith deutlich.

Vor dem Räuchern steht das Mälzen. Das Getreide wird in Wasser eingeweicht, bis es zu keimen beginnt. Dabei entwickelt es Enzyme, die später Stärke in vergärbaren Zucker umwandeln. Gestoppt wird die Keimung durch Trocknen auf der Darre. Bei ungeräucherten Sorten geschieht das mit warmer Luft, bei getorften Sorten kommt zusätzlich Torfrauch dazu, der sich in die Körner zieht.

Die dunkelste Variante aus Roggenreith heißt Dark Rye Malt Peated. Sie entsteht aus zu 100 Prozent dunkel geröstetem Roggenmalz, das zusätzlich mit heimischem Torf geräuchert wird. Auf die Flasche kommt sie mit 46 Prozent Alkohol. Genaue ppm-Werte, wie sie schottische Brennereien für ihren Phenolgehalt angeben, veröffentlicht Roggenreith nicht. Spürbar ist der Unterschied zu den ungeräucherten Whiskys trotzdem sofort.

Weil Torf im Waldviertel selten und die Fläche klein ist, bleibt das Räuchern hier die Ausnahme, nicht die Regel. Die meisten Whiskys aus Roggenreith reifen ungeräuchert, mit dem reinen Getreidecharakter von Roggen und Gerste. Der Torf ist ein Werkzeug unter mehreren, kein Markenzeichen wie an der schottischen Westküste.

Grab dich durchSchicht antippen

Halb zersetzte Fichten- und Kiefernnadeln über feuchtem Moos, locker und hellbraun.

Die Wurzel: Nadeln statt Heidekraut geben dem Rauch später einen harzigen, waldigen Ton statt Meeresjod.

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