
Zweimal durch Kupfer
Brennen
Kupferne Brennblasen in Roggenreith bedienen den Whisky, aber nicht allein. Auf dem Waldviertler Roggenhof entsteht auch Marillenbrand, Gin und Wodka, und die Anlage muss sich dafür umrüsten lassen. Alle Spirituosen laufen über dieselben kupfernen Brennblasen. Je nach Ansatz kommen Obst, Getreidemaische oder Wacholder hinein. Reine Whiskydestillerien kennen diesen Wechsel nicht: Ihre Anlage bleibt für immer beim selben Rohstoff.
Kupfer ist dabei kein Zufall. Beim Erhitzen der Maische binden sich unerwünschte Schwefelverbindungen an das Metall. Sie bleiben dort zurück, statt in den Brand zu gelangen. Ohne diesen Effekt würde die Roggenmaische einen deutlich raueren, unangenehmeren Brand ergeben, denn sie neigt ohnehin zum Verkleben.
Gebrannt wird zweifach, wie es die meisten Whiskydestillerien außerhalb Schottlands tun. Der erste Durchgang trennt Alkohol grob vom Wasser und ergibt den sogenannten Rohbrand. Der zweite Durchgang verfeinert ihn. Dabei trifft der Brennmeister den sogenannten Schnitt. Er trennt den nutzbaren Mittellauf von Vorlauf und Nachlauf, die beide zu scharf oder zu ölig für den Whisky wären.
Für den 60-Prozent-Roggen-Ansatz des Original Rye Whisky J.H. bedeutet das eine besonders genaue Beobachtung des Mittellaufs. Roggen bringt andere, würzigere Aromen mit als Gerste. Wer den Schnitt zu früh oder zu spät setzt, verliert genau die pfeffrige Note, die diesen Whisky von reinen Gerstenwhiskys unterscheidet.
Am Ende des Brennvorgangs steht ein klarer, hochprozentiger Rohwhisky. Er hat noch nichts von der Farbe, die man später im Glas sieht. Die kommt erst im Fass dazu, wenn das Holz seine Arbeit beginnt.