
Torf nach Wahl
Malz & Torf
In Campbeltown übernimmt eine einzige Brennerei die Rolle, die sonst ganze Fabriken erledigen. Springbank mälzt einen Teil seiner Gerste bis heute selbst, auf einer offenen Tenne mitten im Betrieb. Von dort kommt auch der Torf ins Spiel. Wie stark er brennt, entscheidet über drei völlig verschiedene Whiskys, die alle aus derselben Gerste stammen. Nur eine Handvoll Brennereien in Schottland macht das heute noch so.
Nach dem Keimen wandert das grüne Malz in den Kiln zum Trocknen. Für Hazelburn läuft nur heiße Luft durch den Kiln, ganz ohne Rauch. Für den Kernwhisky Springbank kommt Torfrauch dazu, aber nur kurz. Das Malz erreicht etwa 12 bis 15 ppm Phenolgehalt, ein moderater Wert.
Longrow dagegen bekommt die volle Ladung: Das Malz hängt lange im Torfrauch und kommt auf 50 bis 55 ppm. Dieser Wert erinnert eher an Islay als an das sanfte Bild, das viele von Campbeltown haben. Drei Brennstoffe, ein Gebäude, drei Charaktere.
Glen Scotia und Kilkerran kaufen ihr Malz dagegen fertig von Mälzereien auf dem Festland. Sie legen dort keinen eigenen Torfgrad fest. Ihre Whiskys fallen dadurch in der Regel zurückhaltender aus als Longrow. Es bleibt mehr Raum für Getreide, Frucht und die salzige Seite des Ortes.
Wer durch Campbeltown geht, sieht, wie viel Handarbeit hinter dem Wort „Malz“ noch steckt. Anderswo in Schottland kommt es fertig im Lastwagen an. Hier wird ein Teil davon noch auf dem eigenen Hof gewendet und gedarrt, mit dem Rauch, den die jeweilige Sorte verlangt. Das kostet Zeit und Personal, aber es hält eine fast verschwundene Handwerkskunst am Leben.
Dünne Humusschicht mit Graswurzeln, in der die Gerste für Campbeltowns Brennereien wächst.
Die Wurzel: Hier entscheidet sich, wie viel Wasser und Nährstoffe die Gerstenwurzeln überhaupt erreichen.