
Wild trifft Sherryfass
Whisky & Essen
Auf den Tisch kommt in den Highlands oft, was Wald und Küste gerade hergeben, Wild aus den Bergen, Fisch aus den Firths. Cullen Skink, eine sämige Suppe aus geräuchertem Schellfisch, Kartoffeln und Zwiebeln, stammt zwar aus der Nachbarregion Moray. Gekocht wird sie aber auch in den nördlichen Highlands. Dazu passt ein ungetorfter Old Pulteney aus Wick besonders gut. Seine leicht salzige, maritime Seite nimmt den Rauchgeschmack des Fischs auf, statt gegen ihn anzukämpfen.
Bei Wild, etwa Rehrücken oder Hirschragout aus den Wäldern um Perthshire, braucht es dagegen mehr Gewicht im Glas. Ein sherrygereifter Dalmore mit Noten von dunkler Frucht, Orange und Gewürz hält gegen das kräftige, leicht wildige Fleisch mit, statt darin unterzugehen. Auch Aberdeen-Angus-Rind aus dem Nordosten der Highlands, bekannt für seine feine Marmorierung, verträgt sich mit einem solchen sherrylastigen Highland-Malt sehr gut.
Zum Abschluss folgt oft Cranachan, ein Dessert aus gerösteten Haferflocken, Sahne, Honig und Himbeeren, das in fast jeder Highland-Küche eine eigene Version hat. Die Süße und die Beeren vertragen sich am besten mit einem hellen, blumigen Malt wie Glenmorangie. Seine Zitrusnote unterstreicht die Himbeeren, statt sie zu übertönen. Ein schwerer, stark getorfter Whisky würde das Dessert dagegen erschlagen.
Was in den Highlands zusammenkommt, folgt selten einer festen Regel, eher einem Gefühl für Gegengewicht. Leichter Fisch passt zu leichtem Whisky, kräftiges Wild zu kräftigem Fass. Wer das einmal selbst ausprobiert, an der eigenen Küche in Alness oder irgendwo ganz woanders, merkt das schnell. Ein einziges Glas kann den Geschmack eines Gerichts stark verschieben.