
Jede Insel anders
Brennen
Kaum eine Brennblase auf den Inseln gleicht der anderen. Talisker auf Skye brennt mit zwei großen Waschblasen zu je 14.700 Litern. Dazu kommen drei kleinere Spirit Stills mit je 11.000 Litern. Diese Kombination aus zwei und drei Blasen ist eine der seltensten in ganz Schottland.
Am oberen Ende jeder Talisker-Blase sitzt ein U-förmiger Lyne Arm. Eine zusätzliche Rückführleitung lenkt einen Teil des Dampfs zurück in die Blase. Dieser Teil kondensiert vorzeitig und wird ein zweites Mal mitdestilliert. Gekühlt wird anschließend nicht in modernen Röhrenkühlern, sondern in traditionellen Worm Tubs. Das sind spiralförmige Kupferrohre in kalten Wasserbecken, die dem Destillat weniger Kupferkontakt und damit mehr Schwere geben.
Auf Jura stehen die höchsten Brennblasen der Region. Die Destillerie wurde 1963 nach jahrzehntelangem Stillstand wieder aufgebaut. Der Ingenieur William Delmé-Evans plante bewusst hohe, schlanke Blasen. Zwei Waschblasen fassen 24.500 Liter, zwei Spirit Stills 15.500 Liter. Nur die schweren, öligen Dämpfe schaffen es durch den langen Hals nach oben, der Rest fällt zurück. Heraus kommt am Ende ein vergleichsweise leichter, klarer Brand, der erst im Fass seine Tiefe bekommt.
Die jüngeren Brennereien der Inseln arbeiten dagegen bewusst klein. Torabhaig auf Skye und Lagg auf Arran betreiben jeweils nur eine Waschblase und eine Spirit Still. Überall gilt dieselbe Grundregel: zweifache Brennung in klassischen Kupfer-Pot-Stills. Eine Column Still wie bei amerikanischem Bourbon gibt es auf den Inseln nicht. Die Form der Blase, nicht ihre Zahl, entscheidet am Ende über den Charakter. Diese Bescheidenheit wirkt in den Besucherzentren fast unterkühlt, im Glas macht sie kaum einen Unterschied.