
Shaoxing trifft Whisky
Whisky & Essen
Auf dem Markt von Puli hängen Würste, die nach Wein riechen, nicht nach Rauch. Dort stellt eine der ältesten Brauereien Taiwans seit Jahrzehnten Shaoxing-Reiswein her. Ein gutes Stück der Küche der Region baut direkt darauf auf.
Shaoxing-Trunkenhähnchen, langsam in Reiswein und Kräutern gegart, ist das bekannteste Beispiel: mild, leicht süßlich, mit einer weinigen Tiefe. Genau diese Tiefe bringt auch ein Sherryfass mit. Dazu passt der Omar Sherry Cask. Seine Rosinen- und Karamellnoten greifen die weinige Süße des Huhns auf, statt sie zu übertönen.
Auch Shaoxing-Weinei gehört zu den festen Größen: hart gekochte Eier, tagelang im Weinsud gezogen. Sie haben eine leicht bittere, alkoholische Kante. Ein Schluck Bourbon Cask daneben wirkt fast wie ein süßer Gegenpol. Vanille steht gegen die herbe Würze des Eis.
Ganz anders schmeckt Zhushan, der „Bambusberg“ im Süden des Landkreises. Dort wachsen die Bambussprossen, die frisch gedämpft oder gegrillt auf den Tisch kommen, zart und leicht süßlich im Biss. Zum Litschi-Finish von Omar passt das gut: Beide teilen eine helle, parfümierte Fruchtnote, keine schwere Würze steht dazwischen.
Nantou liefert dazu noch mehr: Bananen, Süßkartoffeln und Pilze aus dem Bergland. Sie tauchen auf vielen Tellern der Region auf, meist einfach gebraten oder gedämpft. Zu solch schlichten, erdigen Gerichten braucht es keinen lauten Whisky, der milde Bourbon Cask reicht völlig.
Was in Nantou fehlt, ist die rauchige Küche, wie man sie zu Whisky von der Küste erwartet. Kein Fisch, kein Salz in der Luft. Stattdessen trifft der Whisky hier auf eine Küche, die selbst schon mit Wein kocht. Das war lange vor ihm im Glas.