
Malz ohne Moor
Malz & Torf
Torfrauch gehört bei Omar zur Ausnahme, nicht zur Regel. Die meisten Abfüllungen kommen ungeraucht auf den Markt, nur ein Teil der Reihe setzt bewusst auf die rauchige Seite.
Für Torf selbst fehlt in Taiwan schlicht die Grundlage. Torfmoore brauchen Jahrtausende ungestörten, feuchten Stillstand – Taiwans junges, von Erdbeben durchgerütteltes Gebirge hatte dafür nie die Ruhe. Wo Islay meterdicke Moorschichten unter dem Gras hat, gibt es in Zentraltaiwan keine vergleichbare Fläche.
Wer bei Nantou also rauchigen Whisky will, importiert den Rauch gleich mit: Das Malz kommt bereits in Schottland über Torffeuer gedarrt und getrocknet an. Eine eigene Mälzerei oder Darre besitzt die Brennerei nicht – dieser Schritt findet komplett vor der Schiffsreise statt. Das unterscheidet Nantou von den alten schottischen Häusern, die noch selbst über der Esse wenden; hier beginnt die Arbeit erst beim Schroten des fertigen Malzes, direkt neben den Gärbottichen.
Was in Nantou stattdessen aus dem Boden kommt, ist nicht Torf, sondern Wasser. Unter der Brennerei liegen die Schichten des Beckens, durch die der Regen sickert, bevor er als Quelle wieder auftaucht.
Die oberste Schicht ist lehmiger Beckenboden, abgesetzt aus Jahrtausenden Hochwasser der umliegenden Flüsse. Darunter folgt eine dicke Lage aus Sand und Kies, in der sich das Grundwasser sammelt und dabei gefiltert wird. Erst tiefer liegt fester Sandstein aus dem taiwanesischen Vorgebirge, der über die Zeit Mineralien ins Wasser abgibt.
Für den Geschmack bedeutet das: Statt der Rauchnote, die Torf einer Insel wie Islay gibt, bringt Nantous Whisky vor allem die Weichheit dieses gefilterten Quellwassers mit in die Maische. Die Schärfe kommt woanders her – aus der Hitze der Reifung, nicht aus dem Moor.
Feiner Lehm aus jahrtausendelangen Überschwemmungen der Flüsse rings um Nantou.
Die Wurzel: Er hält Regenwasser oben zurück und lässt es nur langsam absickern.