
Säule oder Kessel
Brennen
In Lawrenceburg, Indiana, steht die Brennblase, die mehr amerikanischen Rye Whiskey herstellt als jede andere. Es ist eine mehrstöckige Kolonne bei MGP Ingredients, durch die pausenlos Maische läuft. Das Gesetz erlaubt, bis maximal 160 Proof zu brennen, also 80 Volumenprozent Alkohol. Genau an diese Grenze geht die Kolonne heran.
In Pennsylvania, Maryland und im Hudson Valley sieht die Brennküche anders aus. Wigle Whiskey in Pittsburgh und Dad's Hat im Bucks County arbeiten mit kupfernen Pot Stills. Oft brennen sie doppelt: einmal grob zum Rohbrand, ein zweites Mal fein. Dabei trennen sie Kopf und Schwanz vom Herzstück, dem Teil, der später ins Fass darf.
Der Schnitt entscheidet über den Charakter mehr als fast jeder andere Schritt. Zu früh geschnitten bleibt der Whiskey scharf und unfertig. Zu spät geschnitten wirkt er stumpf und ölig. Kleine Brennereien im Nordosten verkosten den Lauf oft von Hand, Schluck für Schluck, statt sich allein auf Messgeräte zu verlassen.
MGP und die Craft-Brennereien beliefern sich dabei gegenseitig. Viele kleine Häuser im Nordosten kauften anfangs Rohbrand aus Lawrenceburg zu. Sie reiften und flaschten ihn selbst ab, während sie im Hintergrund eigene Kessel aufbauten. Heute steht auf manchem Etikett „destilliert in Indiana“, auf anderen inzwischen nur noch der eigene Name. Beide Wege gelten in der Region als ehrlich, solange die Herkunft offen auf dem Etikett steht. Wer genau hinschaut, erkennt am Kleingedruckten sofort, welchen Weg eine Brennerei gegangen ist.