Trinkkultur in der Region Riga

Eiskalt und Prost

Trinkkultur

Ein Glas Wodka, das nicht eiskalt aus dem Gefrierfach kommt, gilt in Riga kaum als richtig serviert. Getrunken wird pur, in kleinen Gläsern, in einem Zug, nie in kleinen Schlucken über den ganzen Abend verteilt. Wer schnell nachschenkt, gilt unter Freunden als guter Gastgeber.

Vor dem Trinken hebt man das Glas und sagt kurz „Priekā“, auf Lettisch etwa „zum Wohl“, bevor man anstößt. Wer eine Runde ausgibt, gibt sie für alle am Tisch aus, alles andere gilt als unhöflich. Zwischen den Gläsern wird gegessen, nie nur getrunken, das unterscheidet die lettische von einer rein rituellen russischen Trinkkultur. Ein leeres Glas signalisiert oft schon, dass man bereit für die nächste Runde ist.

Rīgas Melnais Balzams, das dunkle Kräuterelixier aus derselben Stadt, hat seine eigene Trinkregel. Pur schmeckt er bitter und intensiv, deshalb rühren viele Letten ihn in heißen schwarzen Kaffee oder in Johannisbeersaft, besonders im Winter. Manche mischen ihn stattdessen mit heißem Tee, wenn draußen der Frost beißt. Pur bleibt er trotzdem die Probe für Kenner.

Feste wie Jāņi, die Sommersonnwende Ende Juni, oder private Familienfeiern sind die Gelegenheiten, bei denen Wodka und Balsam gemeinsam auf den Tisch kommen, meist neben Bier und selbstgemachtem Met. Zur Arbeitswoche gehört Alkohol in Lettland dagegen kaum, das gesellige Trinken bleibt an Feiertage und Wochenenden gebunden. So bleibt der Wodka etwas Besonderes und nicht Teil des Alltags.

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