
Zakuski & Salat
Wodka & Essen
Kein Moskauer Trinkabend beginnt ohne Zakuski, die kalten Häppchen, die vor und zwischen den Wodka-Runden auf dem Tisch stehen. Schwarzbrot aus Roggenmehl, dick mit Butter bestrichen und leicht gesalzen, gehört fast immer dazu. Ebenso dazu gehören eingelegte Gurken und marinierte Waldpilze aus der Umgebung.
Ein Klassiker der Moskauer Festtafel stammt sogar aus einem konkreten Restaurant. Der Olivier-Salat wurde in den 1860er Jahren vom belgisch-französischen Koch Lucien Olivier im Moskauer Restaurant Hermitage erfunden. Die erste Fassung enthielt Birkhuhn, Krebsschwänze und Kapern. Die heutige Alltagsversion mit Kartoffeln, Ei, Wurst und Erbsen unter Mayonnaise gilt in Russland bis heute als Pflichtgericht an Silvester. In russischen Familien wird die Rezeptur bis heute oft frei variiert, meist mit dem, was gerade im Haus ist.
Zur Zakuski-Logik gehört, dass fetthaltige und salzige Speisen den hochprozentigen Wodka abfedern sollen. Eingelegter Hering mit Zwiebeln, ein Löffel schwarzer Kaviar auf Weißbrot bei festlichen Anlässen oder ein Stück geräucherter Fisch erfüllen genau diesen Zweck. Sie kommen jeweils vor der nächsten Runde auf den Tisch.
Am Tisch zählt weniger die einzelne Zutat als die feste Reihenfolge. Erst ein Bissen, dann der Trinkspruch, dann das Glas, nie umgekehrt. Wer Wodka ohne etwas dazu trinkt, gilt am Moskauer Tisch schnell als unerfahren, ganz gleich wie hochwertig die Flasche ist. Diese Reihenfolge gilt in Moskau als so selbstverständlich, dass sie selten laut ausgesprochen werden muss.
Zum roggenbetonten Moskowskaja oder Stolichnaya passen deftige, erdige Zakuski wie eingelegte Pilze und Schwarzbrot besonders gut. Beide Seiten teilen dieselbe Getreidenote. Ein sanfter gefilterter Smirnow verträgt sich dagegen auch mit leichteren Häppchen wie Gurken oder mildem Frischkäse, ohne von deren Aroma erschlagen zu werden.