
Roggig & Rein
Verkosten
Für die Verkostung lohnt sich Kühlschranktemperatur statt Gefrierfach-Kälte, auch wenn eiskalter Wodka die übliche Moskauer Trinkweise ist. Die Faustregel dabei: kalt genug, um Fuselnoten zu dämpfen, aber warm genug, damit Aromen im Glas noch etwas zeigen. Für den ersten Eindruck reicht oft schon ein einziger kleiner Schluck aus einem sauberen, geruchsneutralen Glas.
Stolichnaya, ursprünglich im Werk Kristall entwickelt, gilt seit Jahrzehnten als Referenz für klaren, leicht getreidigen Roggenwodka mit einem Hauch Anis im Abgang. So beschreibt es die Marke selbst. Moskowskaja, die alte Staatssorte aus derselben Brennerei, schmeckt gerader und schlichter, näher am reinen Rektifikat ohne viel Schnickschnack.
Der russische Smirnow wird nach dem ursprünglichen Moskauer Rezept hergestellt und ist nicht zu verwechseln mit dem international bekannten Smirnoff. Er wirbt mit besonders sanfter Kohlefiltration, einem Erbe von Pjotr Smirnows Erfindung aus den 1870er Jahren. Im Vergleich zeigt sich, wie unterschiedlich reiner Rektifikat mit unterschiedlicher Filterstufe schmecken kann.
Beim Riechen zuerst: Ein sauberer Wodka riecht kaum nach Alkohol, sondern leicht nach Getreide oder Brot, mit einer feinen Süße. Ein kleiner Schluck bleibt kurz im Mund, bevor er hinuntergeht. Genau dabei zeigt sich, ob die Textur ölig und rund ist oder eher dünn und scharf. Auch die Farbe verrät wenig, denn ordentlich hergestellter Wodka bleibt in jeder Qualitätsstufe klar und farblos.
Zum Vergleichen eignen sich zwei oder drei Sorten nebeneinander, jeweils in einem kleinen, schmalen Glas. Das bündelt die Aromen, statt sie zu verteilen. Zwischen den Sorten hilft ein neutraler Bissen Brot, um die Zunge zurückzusetzen, bevor der nächste Wodka an die Reihe kommt.