
Helles Malz, Rohfrucht
Malz & Getreide
Ein helles Lager wie Victoria Bitter lebt von hellem Malz. Dafür wird Gerste in der Mälzerei eingeweicht, bis sie keimt, und anschließend auf der Darre getrocknet, einem Trockenofen mit warmer Luft. Bei niedriger Hitze bleibt das Malz blass und schmeckt leicht nach Brot und Keks. Gerade dieses unaufdringliche Malz lässt bei einem Lager Raum für einen Hopfen, der nur mild eingreift, und für eine Hefe, die sauber arbeitet.
Wie stark ein Bier gefärbt ist, misst man in EBC, einer Farbskala der Brauer. Ein Wert um 4 bis 12 entspricht dem blassen bis goldenen Lager, wie es in Australien den Alltag bestimmt. Wer dunkler will, setzt Karamellmalz zu, das bei höherer Hitze getrocknet wird und Noten von Karamell und Toffee mitbringt.
Anders als in Bayern gilt in Australien kein Reinheitsgebot. Brauer dürfen deshalb neben Gerstenmalz auch Rohfrucht einsetzen, also ungemälztes Getreide oder Zucker, die die Würze vergärbar machen, ohne viel Geschmack zu liefern. Welche Mischung ein einzelnes Bier verwendet, geben Brauereien meist selbst an.
Die Craft-Brauer in Fitzroy und Richmond arbeiten mit einem breiteren Malzkasten. Ein Amber Ale wie das Hightail Ale von Mountain Goat verdankt seine Kupferfarbe zusätzlichem Karamellmalz, ein Pale Ale bleibt heller und lässt dem Hopfen Raum. Was in den Sud kommt, entscheidet am Ende der Braumeister, und die Biere der kleinen Brauereien wechseln deshalb von Saison zu Saison stärker als ein Lager aus dem Großbetrieb.