
Helles Malz, Kandis
Malz & Getreide
Orval kommt mit erstaunlich wenig Malz aus. Für den Sud verwendet die Brauerei ein helles Malz und einen kleinen Anteil Karamellmalz. Malz ist gekeimte und dann gedarrte, also schonend getrocknete Gerste, und die Farbe des Biers hängt davon ab, wie heiß sie getrocknet wurde. Helles Malz gibt Orval die orange-goldene Farbe, das Karamellmalz eine leichte Süße im Hintergrund.
Bemerkenswert ist die Schrotung. Orval schrotet sein Malz nass: Das Wasser aus der Mathildenquelle wird mit 65 Grad schon beim Mahlen zugegeben. So bleiben die Spelzen, die Hülsen der Gerstenkörner, elastisch und werden nicht zu feinem Mehl zerrieben. Beim späteren Läutern, dem Abtrennen der klaren Würze vom Treber, bildet sich dadurch ein lockerer Filter.
Dazu kommt Zucker. Vor der ersten Gärung gibt die Brauerei flüssigen Kandiszucker in die abgekühlte Würze. Hefe vergärt Zucker vollständig, und das macht ein Bier trocken, statt es süß zu lassen. Daher wirkt Orval bei kräftigem Alkoholgehalt so schlank. Nach Angaben der Brauerei liegt er bei 6,2 Prozent.
Für den Vergleich mit Deutschland: Dort ist Zucker im Bier eng geregelt. Obergärige Biere dürfen außerhalb Bayerns bestimmten technisch reinen Zucker enthalten, in Bayern gar keinen. Belgische Brauer setzen Kandiszucker dagegen selbstverständlich als Handwerkszeug ein, und er gehört zu vielen Trappistenbieren.
Das Ergebnis aus hellem Malz, Karamellmalz und Kandis ist ein Bier, das auf Gerste setzt, ohne sie in den Vordergrund zu stellen. Die Malzaromen bleiben leise, damit Hopfen und Hefe im Glas die Hauptrolle haben. Das macht Orval zu einem Bier, das man eher an seiner Trockenheit erkennt als an seiner Malznote.