
Estaminet und Hopscheuten
Essen & Bierkultur
Im Westhoek isst man, was auf den Feldern wächst, und im Frühjahr sind das Hopscheuten. Die jungen Hopfentriebe werden gekocht und klassisch mit Ei und Butter serviert, zart und leicht bitter. Dazu passt ein Tripel oder Blond, weil die feine Bittere des Gemüses auf die Würze des Bieres trifft.
Für den Winter gehört die Stoverij auf den Tisch, ein langsam geschmorter Rindertopf mit Bier. Die Süße des Kandiszuckers im Bier spiegelt sich in der Sauce, und ein dunkles Dark Strong Ale im Glas bildet den Gegenpol zur Fleischsüße.
Zur Bierkultur gehört das Estaminet, das gemütliche Wirtshaus mit langer Theke und kleiner Karte. Gegenüber der Abtei in Westvleteren liegt das Café In de Vrede, wo die Besucher das Bier direkt am Ort trinken. Eine kühle Terrasse mit Blick auf die Felder ist hier das Ritual.
Poperinge hat noch eine Geschichte jenseits des Bieres. Im Ersten Weltkrieg blieb die Stadt weitgehend unbesetzt und lag nur wenige Kilometer hinter der Front bei Ypern. Im Dezember 1915 richtete Pfarrer Philip „Tubby“ Clayton dort das Talbot House ein, einen Ort, an dem britische Soldaten Tee, Bücher und eine Kapelle auf dem Hopfenboden fanden. Wer heute die Gräberfelder besucht, kommt oft auch hierher.
Beim Fest sind es die Hommelfeesten, die alle drei Jahre die ganze Stadt auf die Beine bringen. Ein einzelnes Bier im Glas bleibt auch dort ein Moment, kein Wettbewerb.