
Botequim & Bauernfest
Essen & Bierkultur
Wo trinkt man in Rio sein Bier? Im botequim, der Eckkneipe mit Tresen und Plastikstühlen, wo man steht oder auf dem Bürgersteig sitzt und dem Kellner zuruft. Dort gibt es das Bier zu den petiscos, den kleinen Häppchen der Bars: pastel, eine frittierte Teigtasche mit Käse oder Fleisch, bolinho de bacalhau, Kabeljaubällchen, und linguiça, gegrillte Wurst.
Auch Caldinho de feijão, eine heiße Bohnenbrühe im Becher, kommt häufig zum Chopp, weil das Salz zur Kälte passt. Fett und Salz im Essen mildern die Kälte im Glas, und das schlanke Bier wäscht den Gaumen wieder frei.
Die Chopp-Kultur der Stadt reicht bis ins 19. Jahrhundert. Das deutsche Lokal Zum Schlauch, 1887 eröffnet, gilt als Wegbereiter und soll später zur Bar Luiz geworden sein, die noch immer als Rios traditionsreiche Chopp-Adresse geführt wird. Die Bar Real Chopp in Copacabana erhielt eine Plakette als Patrimônio Cultural Carioca, als Kulturerbe der Stadt.
In Petrópolis feiert man im Juni das das Bauernfest, portugiesisch Festa do Colono Alemão, das Fest der deutschen Siedler. Es erinnert an die Kolonisten des 19. Jahrhunderts, mit Musik, Tanz, Wurst und Bier. Nach Angaben der Veranstalter gehört es zu den größten seiner Art in Brasilien.
Am Ende eines Abends bestellt man die saideira, die „letzte Runde“, und diesen Brauch kennt jeder Carioca. Gerechnet wird nach Tulipas, nicht nach Litern. Dazu gehört der Rhythmus: eine Runde bestellen, kurz warten, und wenn der Tisch leer ist, kommt die nächste.