
Boteco & Pastel
Essen & Bierkultur
Im Bundesstaat São Paulo trinkt man Bier im boteco, einer einfachen Kneipe mit Tresen, Plastikstühlen und einer Vitrine voller Snacks. Hier beginnt der Abend nach der Arbeit, im Land als happy hour bekannt. Das Pinguim in Ribeirão Preto ist dafür ein berühmtes Beispiel, mit Chopp aus dem Fass und Tischen, an denen Gruppen lange sitzen.
Zum Chopp gehört der Pastel. Der Teig wird hauchdünn ausgerollt, mit Käse, Hackfleisch oder Palmherzen gefüllt und im Fett knusprig ausgebacken. Er ist heiß, fettig und salzig, und die Kälte des Chopp schneidet genau das weg. Wer das einmal zusammen gegessen hat, versteht die Kombination sofort.
Weitere Klassiker sind die coxinha, eine Hähnchenkroketten in Tropfenform, und torresmo, knusprige Schweineschwarte. Eine Portion gebratene mandioca, die Maniokstücke außen goldbraun und innen mehlig, kommt fast überall auf den Tisch. Im Mercado Municipal von São Paulo steht das Sandwich mit Mortadella, das so dick belegt ist, dass man es mit beiden Händen halten muss.
Zu den Regeln des Abends gehört, dass man selten allein trinkt. Das Bier wird meist in der Runde bestellt, und jeder schenkt dem anderen nach, bevor das Glas leer ist. Das Wort saideira bezeichnet die letzte Runde, die man sich selbst nach Mitternacht noch gönnt. Rauschverherrlichung gehört nicht dazu, denn es geht ums Zusammensein.
Craft-Biere wie Colorado haben diese Kultur um eine Spielart erweitert. Man bestellt im Restaurant ein Demoiselle zum Essen, trinkt ein Indica zu Gegrilltem oder kombiniert ein Cauim mit scharfen Maniokgerichten. Neben dem Chopp im Pinguim steht nun das Bier mit Geschichte, und beide gehören zum selben Abend im Landesinneren.