
Kalt, Kaffee, Rapadura
Verkosten
Ein Chopp im Pinguim kommt in einem kleinen, schlanken Glas auf den Tisch, das von außen beschlägt. Der Schaum, in Brasilien colarinho genannt, soll dicht und hoch sitzen. Im Mund schmeckt das Bier leicht nach Getreide, kaum nach Hopfen und endet sauber und trocken. Die Kälte ist Teil des Geschmacks.
Wer das Haus kennt, weiß, dass dort seit der Eröffnung Antarctica-Chopp ausgeschenkt wird. Mit dem Bier ist es wie mit der Stadt selbst: Es lebt vom Ritual, nicht von der Rarität. Man bestellt eine Runde, und die nächste kommt, noch bevor das Glas ganz leer ist.
Das Colorado Demoiselle zeigt, was der Kaffee aus der Alta Mogiana im Bier macht. Er bringt Röstnoten und eine zarte Bittere ins Glas, ohne dass das Bier schwer wird. Man sollte es nicht eiskalt trinken, sondern deutlich wärmer als einen Chopp, damit die Aromen aus dem Glas kommen.
Das Colorado Indica riecht nach Hopfen, schmeckt nach Malz und hat eine leichte, dunkle Süße von der rapadura. Beim Cauim ist die mandioca, wie bei jeder Stärkequelle, im Geschmack kaum zu erkennen. Ein Tulpen- oder Pintglas, wie man es von Ales kennt, lässt die Aromen gut zur Geltung kommen.
Zum Ausschank gehört in Brasilien eine bestimmte Technik. Der Zapfer lässt das Glas schräg einlaufen und stellt es dann gerade, bis sich der colarinho bildet. Wer in einem Lokal Fassbier bestellt, bekommt so ein Getränk, dessen Schaumhöhe nicht dem Zufall überlassen ist.