
Kaum Bittere
Hopfen
In Berlin selbst wächst kein Hopfen im Anbau, die Brauer kaufen ihn zu. Wichtiger als die Herkunft ist bei der Berliner Weisse aber die Menge, denn sie braucht fast keinen. Nach BJCP liegt ihre Bittere bei nur 3 bis 8 IBU, einem Maß für die Bitterstoffe im Bier. Zum Vergleich: Ein deutsches Pils bringt es auf 22 bis 40.
Der Grund ist die Mikrobiologie. Hopfen hemmt viele Milchsäurebakterien, und die wollen die Brauer ja gerade im Bier haben. Je weniger Hopfen, desto ungestörter können die Bakterien arbeiten. Dazu passt, dass die Säure den Part übernimmt, den sonst die Bittere spielt: Sie hält das Bier frisch und gibt ihm einen trockenen Abschluss.
Beim Berliner Pils sieht das anders aus. Es lebt vom Hopfen, vom herben Abgang und von der feinen Kräuternote, die das Bier gut trinkbar macht. Beide Biere stammen aus derselben Stadt, schmecken aber wie aus verschiedenen Welten. Der Hopfen macht den Unterschied.
Woher der Hopfen für solche Biere kommt, ist je nach Brauerei verschieden. Geschützte Anbaugebiete gibt es etwa im Elbe-Saale-Gebiet (g.g.A., 2014) oder in der Hallertau (g.g.A., 2010). Wo eine einzelne Brauerei einkauft, steht nicht in diesen Registern und wird hier nicht behauptet. Auch kleine Brauereien wie Vagabund oder Schneeeule, die in den letzten Jahren in Wedding und anderswo entstanden, setzen bei der Weisse eher auf Säure und Frucht als auf Hopfenbittere.