
Bittere von weither
Hopfen
Wie bitter ist Jever Pilsener wirklich? Die Brauerei gibt etwa 40 Bittereinheiten (IBU) an, das ist die Zahl, die messen soll, wie viele Bitterstoffe im Bier gelöst sind. Damit liegt es am oberen Rand dessen, was für ein deutsches Pils üblich ist, das zwischen etwa 22 und 40 IBU liegt. Daher stammt der Ruf des herben Pils, den sich die Marke selbst auf das Etikett geschrieben hat und der bis heute nachwirkt.
Hopfen wächst in Friesland und Ostfriesland nicht in nennenswertem Umfang. Er kommt aus den großen deutschen Anbaugebieten im Süden und Osten. Nach Angaben aus einer Brauerei-Besichtigung von 2024 nutzt Jever die Sorten Herkules und Perle, beide aus der Hallertau, dazu Hallertauer und Tettnanger Aroma. Sie werden in zwei Gaben zugegeben, einmal früh zum Bittern und einmal spät für das Aroma.
Das ist der entscheidende Unterschied: Hopfen, der lange mitkocht, gibt Bitterkeit ab, aber sein Duft verfliegt. Hopfen, der kurz vor Ende der Kochzeit kommt, behält ätherische Öle und riecht nach Kräutern, Heu oder Blüten. Ein Pils braucht beides, damit die Bittere nicht allein steht.
Auch bei den kleinen Brauereien kommt der Hopfen von weit her. Wer den Unterschied hören will, probiert ein friesisches Pils neben einem süddeutschen Hellen. Das Helle bleibt weich im Abgang, das Pils wird trocken und lang. Das liegt weniger an einem besonderen Hopfen als an der Menge und dem weichen Wasser, das die Bittere klar hervortreten lässt.