
Kalte Winter, Eis
Wasser & Boden
Aus welchem Wasser wird Kulmbacher Bier gebraut? Eine verlässliche Härtezahl für alle Häuser der Region gibt es nicht, und eine geprüfte Messung liegt diesem Text nicht vor, deshalb steht hier keine. Sicher ist nur, dass nahezu alle Brauereien ihr Wasser heute aufbereiten, es enthärten oder mit Salzen einstellen. Das Wasser prägt den Stil also kaum noch, so wie es früher war.
Die Landschaft erklärt trotzdem einiges. Bei Kulmbach fließen der Weiße Main und der Rote Main zum Main zusammen, und Bayreuth liegt am Roten Main. Beide Städte haben es mit rauen Wintern zu tun, denn im Norden Bayerns schließen sich Fichtelgebirge und Frankenwald an. Wer hier im 19. Jahrhundert Bier lagern wollte, brauchte Kälte und bekam sie im Winter geschenkt.
Daraus erklärt sich auch der Kulmbacher Eisbock. Wasser gefriert bei null Grad, Bier mit mehreren Prozent Alkohol erst bei etwa zwei bis drei Grad darunter. Kühlt man ein starkes Bockbier weit genug ab, gefriert zuerst das Wasser im Bier zu Eis. Holt man das Eis heraus, bleibt eine kleinere Menge übrig, die dafür kräftiger schmeckt und mehr Alkohol enthält.
Die Brauereien sitzen auf Hängen und in Tälern, nicht auf einem einheitlichen Felsen wie in Bamberg. Lagerkeller gehören trotzdem zur Kulmbacher Braugeschichte, denn bis zur Kältemaschine war Kühlung das Hauptproblem eines jeden Brauers. Wo genau welcher Keller liegt, geben die Häuser einzeln an.
Ob das Wasser einer Brauerei weich oder hart ist, verrät also weniger über das Bier als die Rezeptur im Sudhaus. Wer die Region kennenlernen will, schmeckt besser das Ergebnis im Glas, als nach Härtegraden zu fragen.