
Höfe & Grenzland
Region & Geschichte
Zwischen Lille, Valenciennes und der belgischen Grenze liegt das Land der Bière de Garde. Der Name bedeutet „Bier zum Aufbewahren“. Die Bauern im Département Nord und im Pas-de-Calais brauten es auf ihren Höfen im Winter und im Frühjahr, solange die Temperaturen noch niedrig genug waren, damit die Hefe nicht verrücktspielte. Was übrig blieb, wanderte zum Lagern in den Keller.
Die Gegend gehörte lange zu Flandern, und Flandern wechselte oft den Herrscher. Das hat die Brauereien geprägt. Nach Angaben der Brasserie in Saint-Sylvestre-Cappel wird dort seit mindestens 1600 gebraut, doch Kriege rissen den Faden mehrfach ab. Gegründet in ihrer heutigen Form wurde sie 1920 von Rémi Ricour, und sie gehört bis heute zu einer Familie.
Um 1900 gab es in Französisch-Flandern nach den Zahlen dieser Brauerei mehr als 220 Betriebe. Danach schrumpfte das Netz der Hofbrauereien stark. Die Brauerei in Saint-Sylvestre-Cappel nennt sich selbst die letzte historische Brauerei der Region, seit 2019 heißt sie Brasserie 3 Monts, nach ihrem bekanntesten Bier.
1922 ließ sich die Brauerfamilie Duyck in Jenlain bei Valenciennes nieder. In den frühen 1950er Jahren füllte die Brasserie Duyck ihr Bier in große Flaschen zu 750 Millilitern ab und hob den Alkoholgehalt auf 7,5 Prozent. Ende der 1970er Jahre wurde das Jenlain zum Überraschungserfolg und gilt seither als Auslöser einer kleinen Wiedergeburt der französischen Spezialbiere.
Einen Herkunftsschutz gibt es nicht. Bière de Garde steht nicht im EU-Register für geschützte Namen, jede Brauerei darf ihr Bier so nennen. Auch die Trappisten sind im Norden vertreten, auf dem Mont des Cats. Ihr Bier trägt allerdings kein ATP-Logo und wird seit 2011 bei Chimay in Belgien gebraut.