
Wein, Reblaus, Forst
Region & Geschichte
Wann wurde in Südtirol das erste Bier gebraut? Eine Urkunde von 993 nennt einen Bauern im Pustertal, der neben zehn Eimern Wein auch zwanzig Eimer Bier abliefern musste. Gebraut wird hier also seit über tausend Jahren, doch lange galt Bier als Getränk der kleinen Leute. Die Adeligen hielten sich an den Wein.
Das Verhältnis blieb gespannt. Kaiser Leopold soll 1667 überzählige Bierhäuser haben abreißen lassen, so wird es überliefert. Im 19. Jahrhundert drehte sich der Wind: Wenn die Weinernte schlecht ausfiel oder die Reblaus zugesetzt hatte, griffen die Leute zum Bier. 1880 zählte man in Südtirol 27 Brauereien.
Dann kam der Erste Weltkrieg. Die Teilung Tirols 1919 schnitt die Brauer südlich des Brenners von Rohstoffen aus Österreich ab, dazu trafen sie ungünstige Steuergesetze der Faschisten. Die meisten Betriebe gaben auf. Forst blieb bestehen und wuchs zu einer der großen Biermarken Italiens.
Forst ist ein Ortsteil von Algund bei Meran. 1857 gründeten dort der Meraner Stadtschreiber Franz Tappeiner und der Bauer Johann Wallnöfer die Brauerei, 1863 übernahm Josef Fuchs. Seine Nachfahren, die Familie Fuchs von Mannstein, führen sie nach Angaben des Hauses in fünfter Generation. Mit rund 700.000 Hektolitern im Jahr ist Forst die größte Brauerei Südtirols.
Heute gibt es im Land wieder über zwanzig Braulizenzen, die meisten davon für Handwerksbrauereien. Eine davon ist das Batzen Bräu in Bozen: Es braut in einem Gasthaus, in dem nach Angaben des Hauses schon seit 1404 Bier ausgeschenkt wird. Einen EU-Herkunftsschutz hat Bier aus Südtirol nicht, es gilt das italienische Recht und nicht die deutsche Bierverordnung.