
Lamm vom Blech
Essen & Bierkultur
Zu Hokkaido gehört Jingisukan, gegrilltes Lamm oder Hammel auf einer gewölbten Eisenplatte. Der Name ist die japanische Form von Dschingis Khan. Vermutlich kam er auf, weil man im frühen 20. Jahrhundert glaubte, die mongolischen Krieger hätten Schaffleisch gegessen. Die Wölbung der Pfanne soll an ihre Helme erinnern, das gilt als Legende.
Der Grund für das Gericht ist nüchterner. Schafe wurden in der Taishō-Zeit für Wolle gezüchtet, als der Staat Selbstversorgung wollte. Als synthetische Fasern kamen und die Nachfrage fiel, kam das Fleisch auf den Tisch. Seit 2004 zählt Jingisukan zum „Hokkaido Heritage“, dem regionalen Kulturerbe der Insel.
Gegrillt wird mit Zwiebeln, Sprossen, Pilzen und Paprika. Dazu gibt es eine Sauce auf Sojabasis. Das Fett des Lamms läuft an der Wölbung nach unten und gart das Gemüse am Rand mit. Das Bier passt dazu, weil es Fett löst und mit seiner Kohlensäure den Gaumen reinigt.
Im Sapporo Beer Garden isst man Jingisukan in großen Hallen mit Bier. Im Sommer stehen im Odori-Park mitten in Sapporo Biergärten. Man stößt mit „Kanpai“ an, dem japanischen Trinkspruch, der wörtlich „trockener Becher“ heißt.
Zum Essen gehören die Trinkgrößen. Der Jokki gibt es in mehreren Größen, und wer wenig trinken will, nimmt ein kleines Glas. Im Winter, wenn der Schnee liegt, gibt es auch heiße Eintöpfe am Tisch, und wer Hunger hat, bestellt Sapporo-Ramen mit Miso-Brühe. Jingisukan bleibt trotzdem das Gericht, das die Insel am stärksten mit ihrem Bier verbindet.