
Sake vor Bier
Region & Geschichte
Kyoto war über tausend Jahre die Stadt des Kaisers, Osaka die Händlerstadt, in der Reis, Salz und Sake umgeschlagen wurden. Die Region Kansai mit Kyoto, Osaka, Kobe und Nara kennt das Brauen also seit langem, nur nicht das Brauen von Bier. Hier stand jahrhundertelang Sake im Mittelpunkt, ein Getränk aus gegorenem Reis, das mit Bier lediglich die Gärung gemeinsam hat.
Bier kam im 19. Jahrhundert mit ausländischen Händlern ins Land. Zu den frühen Großbrauereien zählt Asahi, das sich nach eigener Angabe auf 1889 in Osaka beruft. Jahrzehntelang bestimmten wenige große Häuser mit hellem Lagerbier den Markt.
Den Wendepunkt brachte 1994 eine Gesetzesreform. Die Menge, die eine Brauerei im Jahr mindestens herstellen musste, sank von 2.000 auf 60 Kiloliter, und plötzlich konnten kleine Betriebe legal Bier verkaufen. Man nannte sie Jibiru, „Regionalbier“. Minoh Beer in der Stadt Minoh nördlich von Osaka gründete 1997 Masaji Ohshita, der ein Spirituosengeschäft führte. Heute leiten drei Schwestern aus seiner Familie die Brauerei.
In Kyoto begann die junge Szene später. Die Kyoto Brewing Company öffnete im Frühjahr 2015, gegründet von drei Ausländern: Paul Speed aus Kanada, Ben Falck aus Großbritannien und Chris Hainge aus den USA. Nach eigener Darstellung setzte sie als erste Brauerei eine belgische Hefe als Hausstamm ein. Mehrere Jahre lieferte sie fast nur Fassbier, seit 2021 füllt sie auch in großem Umfang Dosen ab.
Einen Herkunftsschutz für Bier aus Kansai gibt es nicht, „Kyoto“ auf dem Etikett ist kein geschützter Name. Die Brauerei Kizakura in Fushimi, 1925 von Jirokuro Matsumoto gegründet, zeigt, dass Bier und Sake in dieser Gegend unter einem Dach entstehen können.