
Seewasser und Granit
Wasser & Boden
Aus dem Hahn in Toronto fließt Wasser aus dem Lake Ontario, und das gilt auch für viele Brauereien der Stadt, die ihr Wasser aus dem städtischen Netz beziehen. Der See ist groß und kalt, sein Wasser verhältnismäßig mild. Für helle, trinkige Biere ist das eine gute Ausgangslage, denn zu viel gelöstes Calcium und Sulfat würde die Bittere schärfer wirken lassen.
Weiter nördlich ändert sich der Untergrund. Die Region Muskoka liegt auf dem Kanadischen Schild, einem uralten Block aus Granit und Gneis. Wasser, das über solches Gestein fließt, nimmt wenig Mineralien auf und ist meist weich. Wer rund um Bracebridge Wasser aus Seen und Bächen schöpft, bekommt deshalb ein Wasser, das einem Pils oder einem hellen Ale wenig im Weg steht.
Was früher Schicksal war, ist heute Handwerk. Fast jede Brauerei bereitet ihr Wasser auf, entfernt Chlor, stellt Härte und Salze ein und baut sich so das Profil, das ihr Bier braucht. Ein Pils bekommt weiches Wasser, ein kräftiges Ale darf mehr Sulfat vertragen. Das Wasser aus dem Hahn ist deshalb nur der Rohstoff, nicht der Stil.
Wichtiger ist in Ontario das Klima. Die Winter sind lang und kalt, die Sommer feucht und heiß. Früher hielt man Bier deshalb mit Eis kühl und lagerte es in Kellern unter den Städten, die Luft dort bleibt das ganze Jahr kühl. Heute regeln Kühlräume und Tanks die Temperatur, doch der Rhythmus bleibt: Das Sommerbier muss leicht und eiskalt schmecken, das Winterbier darf dunkel und schwer sein.