
Hopfentee statt Kochen
Hopfen
Wer ein Bier nicht kocht, kann den Hopfen nicht mitkochen. Also macht man Tee: Die Brauer überbrühen Hopfen mit heißem Wasser und gießen den Aufguss zur Würze. Nach Garshol wird dieser Hopfentee in Jovarai nach dem Abläutern zugegeben. Die Brauerin Aldona Udrienė verwendet dafür nach seiner Beschreibung importierten Hopfen.
Warum das wichtig ist: Die Bitterstoffe des Hopfens, die Alphasäuren, wandeln sich vor allem beim Kochen um und gehen dann ins Bier über. Ein Aufguss löst sie kaum. Dafür bleibt mehr vom Duft. Wie bitter ein Bauernbier am Ende wird, bestimmt der Brauer an der Menge Tee, die er in den Bottich gibt, und er kann sie nach Geschmack einstellen.
In Kaimiškas dominiert der Hopfen darum nie. Reisende beschreiben die Biere der Gegend als weich, leicht süßlich und malzbetont, der Hopfen bleibt im Hintergrund. Das unterscheidet sie von vielen Craft-Bieren, bei denen der Hopfen die Hauptrolle hat.
Anders als in manchen anderen Hofbier-Traditionen des Ostseeraums nehmen litauische Hofbrauer meist keinen Wacholder, sondern eher etwas mehr Hopfen. Wacholderzweige gehörten zur älteren Zutatenliste vieler Bauernbiere, in der Gegend um Biržai und Pasvalys setzt man heute vor allem auf Hopfen und Hefe.
Wie viel Hopfen in einem bestimmten Kaimiškas steckt, hängt vom Hof ab. Es gibt keine Stilnorm, keine IBU-Spanne, nur den Geschmack der Familie, die das Rezept aufbewahrt. Wer ein Bier aus Jovarai probiert, schmeckt deshalb zuerst Hefe und Malz und erst danach eine sanfte, krautige Bittere.