
Höfe, Fjorde, Weihnachtsbier
Region & Geschichte
Was ist Kveik? Das Wort bedeutet in den Dialekten Westnorwegens ungefähr „Hefe vom eigenen Hof“. Gemeint ist keine Biersorte, sondern ein Hefestamm, den Bauern von Generation zu Generation weitergaben und bei Nachbarn borgten.
Über Jahrhunderte war Bier auf den abgelegenen Höfen am Fjord Hausarbeit. Man braute für Weihnachten, für Hochzeiten und für Beerdigungen, und die Hefe gehörte so selbstverständlich zum Hof wie der Sauerteig zur Bäckerei. Eine Brauerei im heutigen Sinn gab es dafür nicht.
Außerhalb Norwegens wusste lange kaum jemand davon. Der Brauschriftsteller Michael Jackson stieß 1995 in Voss auf Brauer, die noch mit dieser Hefe arbeiteten. Das Standardwerk über die alte Brautradition stammt von Odd Nordland und erschien 1969.
Dass Kveik heute weltweit in Brauereien steht, geht vor allem auf Lars Marius Garshol zurück. Er reiste zu Höfen in Voss, Hornindal und weiter nördlich, sammelte Hefeproben, schrieb darüber in seinem Blog und schickte schon 2009 Proben der Vosser Hefen an eine britische Hefebank.
Heute gehört die Region zur Provinz Vestland, die 2020 aus Hordaland und Sogn og Fjordane entstand. Stjørdal mit seinem Malzrauch-Bier liegt weiter nördlich in Trøndelag und gehört zur selben Hoftradition. Ein Herkunftsschutz besteht für Kveik nicht, und eine Stilnorm gibt es ebenfalls nicht.
Neben den wenigen Hofbrauern gibt es in Bergen und im Fjordland längst Craft-Brauereien. Manche arbeiten mit Kveik, andere mit gewöhnlichen Hefen. Der Kern der Region bleibt aber das Bier vom Hof, das Familien bis heute zu Weihnachten ansetzen.