
Chicha und Lager
Bierstile
Ist Chicha de jora ein Bier? Das hängt davon ab, wen man fragt. Sie ist ein vergorenes Getränk aus gemälztem Getreide und in diesem Sinn ein Verwandter des Bieres. Einen Stil im Sinn der Bierwettbewerbe ist sie nicht, denn es gibt keine Norm für Stammwürze, Bittere oder Farbe. Deshalb steht im Steckbrief unten kein Wert für sie, sondern nur das Lager, das in Cusco ebenfalls gebraut wird. Auch Cusqueña und Chicha lassen sich nicht ohne Weiteres vergleichen.
Als Vergleich taugt am ehesten das finnische Sahti, ein altes Bauernbier ohne einheitliches Rezept, das man ebenfalls in kleinen Mengen und frisch trinkt. Auch dort steht Hausküche vor Handelsnorm. Der Unterschied liegt im Korn: Sahti kommt aus Gerste und Roggen, Chicha aus Mais. Der Vergleich hilft nur als Eselsbrücke und ersetzt keine Stilbeschreibung.
Die Cusqueña ist dagegen ein klarer Fall. Die goldene Sorte ist ein untergäriges helles Lager, und der Stilleitfaden BJCP nennt dafür den Stil International Pale Lager. Daneben gibt es dunklere und rote Sorten sowie ein Bier mit Weizen, die Cusqueña Trigo. Zu den Besonderheiten zählt die Höhe: Das Bier wird auf rund 3400 Metern gebraut.
Zusammen bilden die beiden Getränke ein Gegensatzpaar. Die Chicha ist trüb, säuerlich, lokal und kurzlebig. Das Lager ist klar, mild und für viele Märkte gemacht. Wer in Cusco beides probiert, begreift besser, was Bier heißt: Es ist vergorenes Getreide, und jede Kultur hat daraus ihr Eigenes gemacht.
Internationales helles Lageruntergärig
- Stammwürze
- 10,5–12,4 °P
- Alkohol
- 4,5–6 % vol
- Bittere
- 18–25 IBU
- Farbe
- 4–12 EBC
Strohgelb bis golden, klar, mild gehopft, wenig Malzsüße, kühl getrunken.