
Klosterplan & Schützengarten
Region & Geschichte
Seit wann wird in der Ostschweiz Bier gebraut? Schriftliche Spuren führen ins frühe Mittelalter: Der Klosterplan von St. Gallen, um 825 gezeichnet, zeigt drei Brauhäuser. Eines war für die Mönche gedacht, eines für vornehme Gäste, eines für Pilger und Arme. Gebaut wurde die Anlage nie so, wie sie auf dem Pergament steht. Der Plan gilt als Idealentwurf eines Klosters, liegt heute in der Stiftsbibliothek und beweist doch, wie selbstverständlich Bier zum Klosteralltag gehörte.
Das Bier, das man heute in St. Gallen trinkt, kommt aus einer ganz anderen Welt. Johann Ulrich Tobler gründete 1779 die Brauerei Schützengarten in der Gaststätte der Schützengesellschaft vor dem Platzthor, also dort, wo man sonst nach der Scheibe schoss. Die Brauerei selbst nennt sich die älteste der Schweiz.
Den Aufschwung brachte Arnold Billwiller, der den Betrieb 1878 von seinem Vater übernahm. Unter ihm stieg der Ausstoß von 7.200 auf über 100.000 Hektoliter. Erst 1993 kamen Spezialbiere dazu, darunter ein Klosterbräu, das an die Mönche von einst erinnern soll.
Ganz anders ist die Lage im Appenzellerland. Johann Christoph Locher kaufte 1886 eine Brauerei in Appenzell. Er entstammte einer Brauerfamilie aus Oberegg, die dort in den 1850er Jahren schon eine erste Brauerei aufgemacht hatte, das Kronenbräu. Heute ist Locher die letzte Brauerei im Kanton Appenzell Innerrhoden und wird von der fünften Generation geführt.
Im Toggenburg fehlte dagegen rund 30 Jahre lang ein eigenes Bier, bis 2012 die Brauerei St. Johann in Neu St. Johann eröffnete, in den Räumen eines früheren Restaurants. Einen EU-Herkunftsschutz für ein Ostschweizer Bier gibt es nicht. „Appenzeller Bier“ ist ein Markenname der Brauerei Locher, keine Landschaftsbezeichnung.