
Gerste aus Übersee
Malz & Getreide
Wie wird in einem Land Bier gebraut, in dem Gerste kaum wächst? Thailand löst das Problem mit Importen. Gerste braucht kühle, trockene Sommer, und die Tropen bieten das nicht. Das Malz für helle Thai-Lager wie Singha und Chang stammt deshalb aus gemäßigten Anbaugebieten und kommt per Schiff.
Malz entsteht, indem man Gerste in Wasser keimen lässt und den Keimling dann in der Darre durch Hitze stoppt. Das Korn wird dabei zuckerreich und bekommt Aroma. Bei hellem Malz hält man die Hitze niedrig, bei dunklem treibt man sie höher, und die Farbe wandert von Strohgelb bis Braun.
Singha gibt an, nur Gerstenmalz zu verwenden und keine zusätzlichen Zucker- oder Getreidearten. Das ist eine Aussage der Brauerei und passt zu einem klassischen hellen Lager. Für Lager anderer Länder ist es üblich, einen Teil des Malzes durch Reis oder Mais zu ersetzen, weil das Bier dann leichter wird. Welche Rezepte die übrigen Thai-Marken verwenden, bleibt Sache der Konzerne.
Ein Blick auf den Reis lohnt sich trotzdem. Er prägt, was auf dem Tisch steht, aber nicht das Bier selbst: Klebreis, Jasminreis und Reisnudeln sind die Beilagen, zu denen Lager getrunken wird.
Das Ergebnis im Glas ist ein blasses, leichtes Bier. Das Malz bleibt im Hintergrund, es gibt Brotkruste und etwas Süße, aber keine Röstnoten. Gerade das macht das Bier so brauchbar für ein Land, in dem man zu jedem Essen etwas Kaltes will. Wer ein dunkles Malzaroma sucht, findet es in Bangkok am ehesten bei den kleinen Craft-Brauern.