
Gefäße und Maße
Stange, Seidla, Maß, Pint: Biergefäße der Regionen
Eine Stange fasst in Köln meist 0,2 Liter, eine Maß in Bayern einen Liter, ein britisches Pint 568 Milliliter. Jede Bierregion hat ihr eigenes Gefäß, und die Größe verrät, wie dort getrunken wird: in kleinen, frisch nachgereichten Gläsern oder in einem großen Krug am Biergartentisch.
Kölsch-Stange und Altbier-Becher: zwei Nachbarn, zwei Gläser
Köln und Düsseldorf liegen keine 40 Kilometer auseinander, trinken aber aus deutlich verschiedenen Gläsern. Kölsch kommt in der Stange, einem schlanken, zylindrischen Glas mit meist 0,2 Litern. Die Kölsch-Konvention, 1986 von 24 Brauereien unterzeichnet, nennt die Stange ausdrücklich als Ausschankgefäß. Das passt zum Bier: Kölsch ist hell, obergärig, hochvergoren und zart. In einem großen Glas würde es warm und schal, bevor es leer ist.
Der Köbes, wie der Kellner im Kölner Brauhaus heißt, trägt die Stangen im Kranz, einem runden Tablett mit Griff, und stellt nach, solange kein Bierdeckel auf dem Glas liegt. Altbier dagegen trinkt man in Düsseldorf aus dem Becher, einem etwas breiteren, niedrigeren Glas mit meist 0,25 Litern. Alt ist ebenfalls obergärig, aber kupferfarben bis dunkelbraun und spürbar bitterer. Der breitere Becher gibt dem Duft von Malz und Hopfen mehr Fläche.
Maß, Halbe und Seidla: Was trinkt man in Bayern und Franken?
In Bayern ist die Halbe, ein halber Liter, das Alltagsmaß im Wirtshaus. Die Maß, ein Liter im Glas- oder Steinkrug, gehört vor allem in den Biergarten und aufs Volksfest, auf dem Münchner Oktoberfest ist sie das Standardgefäß. Das Wort ist alt: Schon die bayerische Landesordnung von 1516, die man heute Reinheitsgebot nennt, legte den Bierpreis je Maß fest. Eine metrische Einheit war die Maß damals noch nicht, ihr Inhalt richtete sich nach örtlichen Maßen.
In Franken heißt das Gefäß Seidla, die mundartliche Form von Seidel. Gemeint ist ein Henkelglas oder Steinkrug mit einem halben Liter, häufig gefüllt mit Kellerbier, also unfiltriertem, naturtrübem Lagerbier. Der Steinkrug hält im Sommer etwas länger kühl, verbirgt aber Farbe und Klarheit. In Österreich bestellt man ein Krügerl für den halben Liter und ein Seidl für 0,3 Liter. Dieselben Wörter meinen also je nach Gegend verschiedene Mengen.
Pint: Warum ist das britische Pint größer als das amerikanische?
Das britische Imperial Pint fasst 568 Milliliter, das amerikanische Pint nur 473. Beide gehen auf alte englische Maße zurück, die sich nach der Unabhängigkeit der USA getrennt entwickelten. Im Vereinigten Königreich gehört Fassbier zu den wenigen Waren, die bis heute in imperialen Einheiten verkauft werden müssen: als Drittel, halbes, zwei Drittel oder ganzes Pint und in Vielfachen eines halben Pints. Das Zwei-Drittel-Glas nennen manche Pubs Schooner.
Typische Pintgläser sind der Nonic, der unterhalb des Randes eine Wulst trägt, die beim Stapeln schützt und gut in der Hand liegt, und der Dimpled Mug, ein Henkelglas mit eingedrückten Mulden. Wer in England ein Pint Bitter bestellt, bekommt es bis knapp an den Rand gefüllt, mit einer schmalen Schaumschicht. Das unterscheidet die Pubkultur deutlich von Tschechien oder Bayern, wo eine kräftige Krone zum guten Ausschank gehört.
Schweizer Stange, Füllstrich und Schaum
Verwechslungsgefahr birgt die Stange selbst. In der Schweiz bezeichnet sie ein Glas mit drei Dezilitern, also 0,3 Litern, gefüllt meist mit hellem Lagerbier und nicht mit Kölsch. Wer in Zürich eine Stange bestellt, bekommt mehr und anderes Bier als in Köln. Gleiche Namen für verschiedene Gläser sind beim Bier eher die Regel als die Ausnahme, und wer reist, fragt im Zweifel besser nach der Menge.
In Deutschland und Österreich tragen Schankgläser einen Füllstrich mit Mengenangabe. Er zeigt, wie viel Bier im Glas sein muss, und gezählt wird nur die Flüssigkeit. Der Schaum gehört über den Strich, nicht darunter. Wer nach dem Absetzen des Schaums deutlich weniger im Glas hat, darf reklamieren. Bei guten Gläsern sitzt der Strich deshalb einige Zentimeter unter dem Rand. Dieser Abstand ist der Platz, den die Schaumkrone braucht.