Gustofolio
GetränkelexikonErfassenSammlungGeschmackGenießenTeilenRoadmap
GetränkelexikonErfassenSammlungGeschmackGenießenTeilenBeta-RoadmapKonto erstellen
AnmeldenKonto erstellen
GetränkelexikonLexikonWissensreiseReisenThemenweltenThemenAlle ArtikelArtikelCocktailrezepteCocktails
  1. Alle Reisen
  2. ›
  3. Bier-Reise
  4. ›
  5. Craft-Bier
  6. ›
  7. Kapitel 5 von 8
Craft-Bier in Europa: Italien, Skandinavien, Großbritannien

Drei europäische Wege

Craft-Bier in Europa: Italien, Skandinavien, Großbritannien

Craft-Bier entwickelte sich in Europa auf eigene Art: Italien begann 1996 mit Baladin und verbindet Bier mit Küche und Wein, Dänemark machte Mikkeller ab 2006 weltbekannt, Großbritannien stellt modernes Keg-Bier neben das traditionelle Cask Ale aus dem Pubkeller.

Wie entstand Craft-Bier in Italien?

Italien ist Weinland, Bier galt lange als einfaches Durstgetränk. Teo Musso eröffnete 1996 im piemontesischen Dorf Piozzo die Gasthausbrauerei Le Baladin und gilt damit als Pionier der italienischen birra artigianale, des handwerklichen Biers. Er füllte Bier in große Flaschen, wie man sie von Wein kennt, und dachte es von Anfang an zum Essen. Andere folgten, darunter Birra del Borgo, 2005 von Leonardo Di Vincenzo in Latium gegründet.

Italienische Brauer haben keine eigene Biertradition, an die sie gebunden wären. Sie bedienen sich frei bei belgischen, englischen und amerikanischen Stilen und greifen gern zu regionalen Zutaten wie Kastanien, Zitrusschalen oder Gewürzen. Eine eigene Spielart ist das Italian Grape Ale, ein Bier, dem Traubenmost oder Trauben zugesetzt werden. Es steht genau auf der Grenze zwischen Bier und Wein und zeigt, wie stark die Weinkultur den Blick der Brauer prägt.

Was macht skandinavisches Craft-Bier aus?

Mikkeller aus Kopenhagen wurde 2006 von zwei Hobbybrauern gegründet, dem Lehrer Mikkel Bjergsø und dem Journalisten Kristian Klarup Keller. Die Marke hatte anfangs keine eigene Brauerei, sie ließ in Belgien brauen. Dieses Modell des Kuckucksbrauers erlaubte es, ständig neue Rezepte herauszubringen, ohne Millionen in Kessel zu stecken. Mikkeller wurde für ungewöhnliche Stile, starke Stouts und Gemeinschaftssude mit anderen Brauereien bekannt.

Norwegen steuerte etwas bei, das älter ist als jede Craft-Bewegung: Kveik. So heißen Hefen norwegischer Bauern, die über Generationen von Hof zu Hof weitergegeben wurden. Sie vergären ungewöhnlich warm, ohne dass das Bier nach Lösungsmittel schmeckt. Craft-Brauer weltweit nutzen Kveik heute für schnelle, fruchtige Biere. Feste Stilwerte gibt es dafür nicht, Kveik beschreibt die Hefe, nicht einen Bierstil mit Zahlen.

Was ist der Unterschied zwischen Cask Ale und Craft-Bier in Großbritannien?

Großbritannien hatte seine Bierbewegung früher als alle anderen. 1971 gründete sich die Campaign for Real Ale, kurz CAMRA, um das Cask Ale zu retten. Das ist Bier, das unfiltriert und unpasteurisiert ins Fass kommt, dort mit lebender Hefe nachgärt und im Pub per Handpumpe gezapft wird. Es kommt kellerkühl ins Glas, mit wenig Kohlensäure. Typische Biere sind Bitters, etwa ein Best Bitter mit 3,8 bis 4,6 Prozent Alkohol.

Die neue Craft-Szene setzte dagegen oft auf Keg, also auf Druckfässer mit mehr Kohlensäure, kälter gezapft, dazu Dosen und amerikanischen Hopfen. Bekanntestes Beispiel ist BrewDog, 2007 von James Watt und Martin Dickie im schottischen Fraserburgh gegründet und berühmt für laute Werbung. In London entstand 2010 Camden Town. Heute zapfen viele Pubs beides nebeneinander: das kellerkühle Bitter aus dem Cask und das kalte Hazy IPA aus dem Keg.

Was verbindet die Craft-Szenen Europas?

Auf den ersten Blick folgt Europa den USA, mit IPA, Stout und Dosen in grellem Design. Auf den zweiten Blick hat jedes Land seine eigene Antwort gefunden. Italien verbindet Bier mit Wein und Küche. Skandinavien steuert Bauernhefen und die Kuckucksbrauerei bei. Großbritannien verteidigt das Cask Ale und erfindet zugleich den eigenen Hopfenstil neu.

Belgien und Tschechien stehen etwas abseits. Dort war Biervielfalt nie verschwunden, und so dienen ihre klassischen Stile den Craft-Brauern eher als Vorbild. Ein Saison aus Kalifornien oder ein Tripel aus Kopenhagen beruft sich auf belgische Wurzeln. Für Trinkende bleibt ein einfacher Rat: Herkunft und Brauerei auf dem Etikett lesen, denn das Wort Craft allein sagt in Europa noch weniger als in den USA, wo es wenigstens eine Definition gibt.

Kurz unterschieden

Cask Ale
Unfiltriert, gärt im Fass nach, per Handpumpe gezapft, kellerkühl und kohlensäurearm; von CAMRA seit 1971 verteidigt.
Keg-Bier
Aus dem Druckfass, kälter und spritziger als Cask Ale; die übliche Form, in der britisches Craft-Bier ausgeschenkt wird.
Kveik
Norwegische Bauernhefe, die sehr warm vergärt; bezeichnet die Hefe, nicht einen Bierstil mit festen Werten.
Italian Grape Ale
Italienische Spielart mit Traubenmost oder Trauben im Bier; steht auf der Grenze zwischen Bier und Wein.

Dazu im Lexikon

Lager und Ale: der UnterschiedBier zum EssenSauerbier und wilde Gärung
ZurückCraft-Bier in Deutschland: Anfänge, Recht, BrauereienWeiterFassreifung: Bier im Bourbon-, Wein- und Whiskyfass

Bilder mit KI erstellt · Texte KI-gestützt, redaktionell geprüft