
Hopfen und Hormone
Bekommen Männer vom Bier Brüste? Hopfen und Phytoöstrogene
Dass Hopfen im Bier Männern Brüste wachsen lässt, ist nicht belegt. Hopfen enthält zwar ein starkes Phytoöstrogen, im Bier steckt davon aber nur sehr wenig. Brustwachstum bei Männern hängt eher mit Übergewicht oder hohem Alkoholkonsum zusammen als mit dem Hopfen.
Was sind Phytoöstrogene im Hopfen?
Phytoöstrogene sind Pflanzenstoffe, die im Körper ähnlich wirken können wie das weibliche Hormon Östrogen, nur viel schwächer. Man findet sie etwa in Soja, Leinsamen und eben im Hopfen. Ende der 1990er-Jahre identifizierten Forscher im Hopfen einen Stoff namens 8-Prenylnaringenin, kurz 8-PN. Er gilt als eines der stärksten bekannten Phytoöstrogene.
Diese Entdeckung passte zu alten Berichten. Hopfenpflückerinnen sollen früher Zyklusstörungen gehabt haben, wenn sie wochenlang mit den Dolden arbeiteten. Ob diese Überlieferung stimmt und ob sie wirklich mit 8-PN zusammenhängt, ist nicht sauber belegt. Sie zeigt aber, warum Hopfen lange im Ruf stand, auf Hormone zu wirken.
Wie viel Phytoöstrogen steckt im Bier?
Sehr wenig. Messungen um das Jahr 2000 fanden 8-PN in vielen Bieren gar nicht und in den übrigen meist nur in Mengen von wenigen bis rund 20 Mikrogramm je Liter. Ein Mikrogramm ist ein Millionstel Gramm. Nur ein kleiner Teil des 8-PN aus dem Hopfen gelangt überhaupt ins fertige Bier. Wie viel es ist, hängt von der Hopfensorte, der Hopfenmenge und der Art des Hopfenprodukts ab.
Eine Unsicherheit bleibt. Bier enthält mehr Isoxanthohumol, einen verwandten Stoff, den Darmbakterien in 8-PN umbauen können. Wie stark das geschieht, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Selbst bei starken Umwandlern liegen die Mengen nach heutigem Wissen weit unter dem, was für eine spürbare Hormonwirkung nötig wäre. Die Studienlage ist hier aber dünn und nicht abschließend.
Woher kommen Männerbrüste wirklich?
Echtes Brustdrüsenwachstum bei Männern nennt die Medizin Gynäkomastie. Sie hat viele mögliche Ursachen: Pubertät, Alter, bestimmte Medikamente, Erkrankungen von Leber oder Hoden. Häufiger als echte Gynäkomastie ist eine Fettansammlung an der Brust bei Übergewicht. Fettgewebe kann männliche Hormone in Östrogen umwandeln, was den Effekt verstärkt.
Langfristig hoher Alkoholkonsum kann den Hormonhaushalt stören, vor allem wenn die Leber geschädigt ist. Sie baut dann Östrogen schlechter ab, und der Testosteronspiegel kann sinken. Das gilt für jede Form von Alkohol, für Schnaps und Wein genauso wie für Bier. Mit dem Hopfen hat dieser Zusammenhang nach heutigem Wissen wenig zu tun.
Ist Hopfen im Bier gesund?
Neben 8-PN steckt im Hopfen ein weiterer viel erforschter Stoff: Xanthohumol, ein gelber Pflanzenfarbstoff aus den Lupulindrüsen der Dolde. Im Labor zeigt er Wirkungen, die Forscher interessieren, etwa als Antioxidans. Daraus machen Werbetexte gern die Aussage, Bier sei gesund. Das ist ein Kurzschluss.
Beim Brauen wandelt sich der größte Teil des Xanthohumols um, im fertigen Bier bleibt nur wenig davon übrig. Um auf die Mengen aus Laborversuchen zu kommen, müsste man so viel Bier trinken, dass der Alkohol jeden möglichen Nutzen weit überwiegen würde. Seriöse Fachgesellschaften empfehlen Alkohol daher nicht aus gesundheitlichen Gründen. Wer Bier trinkt, tut das, weil es schmeckt und zum Essen oder zur Geselligkeit passt, nicht wegen der Hopfeninhaltsstoffe. Das gilt in beide Richtungen: Weder schützt Hopfen vor Krankheiten, noch verwandelt er Männer.
Was über Hopfen und Hormone offen bleibt
Ganz ausgeschlossen ist eine Wirkung von Hopfenstoffen nicht. 8-PN wird in Studien als möglicher Wirkstoff gegen Wechseljahresbeschwerden untersucht, dort aber in Mengen, die um ein Vielfaches über dem liegen, was ein Bier enthält. Ergebnisse aus Laborversuchen und Studien mit konzentrierten Extrakten lassen sich nicht auf ein Glas Bier übertragen.
Auch alkoholfreies Bier enthält Hopfen und damit Spuren dieser Stoffe. Es wird manchmal als Hilfe beim Einschlafen beworben, weil Hopfen beruhigend wirken soll. Solche Aussagen sind Herstellerangaben und keine belegten Gesundheitsversprechen. Wer gesundheitliche Fragen hat, bespricht sie besser mit einer Ärztin oder einem Arzt als mit dem Bieretikett.