
Hospoda & Weinfest
Essen & Bierkultur
In Brünn gehört das Bier zur Hospoda, der Wirtschaft an der Ecke, wo man abends einen Stammtisch findet und das Bier ohne Bestellung nachkommt. Was passt dazu? Ein Klassiker sind Utopenci, wörtlich Ertrunkene, mit Essig und Zwiebeln eingelegte Würste. Die Säure und das Salz bringen die Bittere zum Leuchten.
Moravský vrabec, der Mährische Spatz, ist trotz seines Namens Schweinebraten, serviert mit Kraut und Knödeln. Das Fett und die Röstaromen finden im dunklen Lager ihren Gegenspieler. Ebenso beliebt ist Smažený sýr, ausgebackener Käse mit Tatarsoße, der mit dem hellen Bier eine knusprige Allianz bildet.
Znaim ist für seine Gurken berühmt. Znojemské okurky, die Znaimer Gurken, werden süß-sauer eingelegt und gelten als Spezialität der Stadt. Zur Brotzeit passen sie als knackige Begleitung zu Bier und Schmalzbrot.
Dass Südmähren auch Weinland ist, spiegelt sich im Herbst. Dann wird Burčák ausgeschenkt, ein junger, noch gärender Traubenmost, der süß schmeckt und trübe ins Glas fließt. Bier und Wein stehen hier nicht gegeneinander, beides gehört zur selben Landschaft, vom Rebhang bei Mikulov bis zum Braukessel in Brno.
Auch die Trinkgrößen haben Gewohnheiten. Der halbe Liter ist die Regel, und er wird meist ohne langes Fragen nachgereicht, bis der Gast den Bierdeckel oder die Hand auf das Glas legt. Am Tisch stößt man mit Na zdraví an, was so viel heißt wie auf die Gesundheit. Dazu gehört, dass man sich in die Augen sieht, und das ist eine Höflichkeit, die man auch in Brünn pflegt.