
Bún chả, Hocker
Essen & Bierkultur
Zu Bia hơi gehört in Hà Nội ein Stück Gehweg. Die Gäste sitzen auf niedrigen Plastikhockern an niedrigen Tischen, oft in der Altstadt rund um die Straße Tạ Hiện. Der Platz ist eng, der Lärm groß, und wer ankommt, setzt sich einfach dazu. Das Lokal wirkt eher wie ein Wohnzimmer auf der Straße als wie ein Gasthaus.
Die Küche folgt dem Bier. Nem rán, frittierte Reispapierröllchen mit Hackfleisch und Gemüse, sind ein Klassiker der Hauptstadt. Dazu kommen Erdnüsse, vietnamesisch lạc rang, und frittierter Tofu, đậu phụ rán. Das Bier ist leicht und kühl und löscht die Würze und das Frittierfett, ohne den Gaumen zu belasten.
Bún chả ist das bekannteste Gericht der Stadt: gegrilltes Schweinefleisch und Fleischbällchen in einer süßsauren Brühe, dazu Reisnudeln und Kräuter. Es wird meist mittags gegessen. 2016 aßen Barack Obama und Anthony Bourdain in Hà Nội Bún chả und tranken dazu Bia Hà Nội aus der Flasche. Das Bier schmeckt dazu klar, leicht und löscht den Rauch des Grills.
Beim Anstoßen ruft man in Vietnam „Một, hai, ba, dô!“, also „Eins, zwei, drei, hoch!“. Man stößt gemeinsam an, und oft wird eine Runde nach der anderen bestellt. Weil Bia hơi niedrig im Alkohol ist, zieht sich der Abend, aber das Bier bleibt auch dann ein leichtes Getränk, kein Wettkampf.
Wer Bia hơi trinkt, sollte Alkohol maßvoll behandeln, und das gilt wie überall. Bier ist hier Begleiter von Essen und Gespräch, und der Reiz liegt nicht in der Menge, sondern in der Frische und in der Gesellschaft auf dem Gehweg von Hà Nội.