
Obst zwischen Reben
Region & Geschichte
Wer Mainfranken nur als Weinland kennt, übersieht die Bäume zwischen den Rebzeilen. Von Würzburg mainabwärts bis zum Spessart stehen Zwetschgen, Äpfel und Birnen an Hängen und Feldwegen, und aus ihnen entstehen Obstler und Zwetschgenwasser.
Nach der Produktspezifikation der Herkunftsangabe wuchs der Obstbau, als die Reblaus im späten 19. Jahrhundert den Weinbau in vielen Teilen Frankens zurückdrängte. Auf den freien Flächen pflanzte man Zwetschgen, und das milde Weinbauklima gab ihnen ein ausgewogenes Verhältnis von Zucker und Säure. Am dichtesten stehen sie im Landkreis Kitzingen rund um Volkach auf der Mainschleife und im Raum Würzburg.
Zwei Namen schützt die EU seit 1989 als geografische Angabe: „Fränkisches Zwetschgenwasser“ und „Fränkischer Obstler“. Beide gelten für Franken, also für Unter-, Mittel- und Oberfranken. Der Obstler ist strenger gefasst als die EU-Grundregel, die bis zu 15 Prozent andere Früchte erlaubt: Er darf nur aus Äpfeln und Birnen entstehen. Das Zwetschgenwasser verzichtet auf Holzspäne, die den Brand schneller reifen ließen. Das dritte fränkische Wasser, das Kirschwasser, hat seine Heimat in der Fränkischen Schweiz.
Selbst brennen darf nicht jeder. Seit dem 1. Januar 2018 gilt für Obstbrennereien das Alkoholsteuergesetz, vorher mussten sie ihren Alkohol beim Monopol abliefern. Eine Abfindungsbrennerei darf bis zu 300 Liter reinen Alkohol im Jahr herstellen. Wer nur Obst vom eigenen Baum besitzt, lässt es dort brennen und bekommt als Stoffbesitzer höchstens 50 Liter reinen Alkohol.
Am Rand des Gebiets liegt Freudenberg am Main, schon in Baden-Württemberg, an der Grenze zu Franken. Dort begann 1865 die Geschichte der Brennerei Ziegler, zunächst als Brauerei und Gasthaus. Das Haus brennt nach eigenen Angaben Obst aus den Gärten rund um Freudenberg und hat Liköre, Aperitif und Whisky ergänzt. Weil Freudenberg außerhalb Bayerns liegt, darf sein Obstbrand nicht Fränkischer Obstler heißen.
Sonst bestimmen kleine Familienbetriebe das Bild, oft als Nebenerwerb zum Hof. Viele gibt es in Unterfranken in der Rhön, wo in Wartmannsroth ein Brennerweg an Obstbrennereien vorbeiführt.