
Austern und Pineau
Essen & Brauchtum
Auf der Île d'Oléron und an der Küste der Charente-Maritime beginnt ein Essen häufig mit Austern aus Marennes-Oléron, dazu Zitrone und ein kühler Weißwein. Der Brand kommt erst viel später ins Spiel.
Ein Klassiker der Küste ist die Mouclade, ein Gericht aus Miesmuscheln in einer Sahnesoße. In vielen Rezepten wird sie mit Pineau des Charentes und einer Prise Curry abgeschmeckt. Daneben kennt man an der Küste die Éclade de moules: Die Muscheln werden unter brennenden Kiefernnadeln gegart. Ein Fischeintopf, die Chaudrée, gehört dort ebenso dazu. Er wird mit Weißwein zubereitet.
Von der Île de Ré stammen die Frühkartoffeln mit geschützter Herkunft und die Fleur de sel aus den Salzgärten. Beide landen in schlichten Gerichten, in denen die Zutat im Mittelpunkt steht. Zwischen den Salzgärten von Ré und den Silexböden der Borderies liegen nur einige Autostunden. Und doch ändert sich mit dem Boden auch, was auf den Teller kommt.
Im Sommer kommt der Melon charentais auf den Tisch, oft mit einem kleinen Glas Pineau des Charentes daneben oder als Füllung in der ausgehöhlten Frucht. Die Süße des Melonenfleischs und die des Likörweins gehen so ineinander über. Pineau wird gekühlt vor dem Essen gereicht. Cognac kommt danach.
Von der Entstehung des Pineau erzählt man eine Legende: Ein Winzer soll vor langer Zeit versehentlich Traubenmost in ein Fass gefüllt haben, in dem noch Cognac lagerte, und fand das Ergebnis Jahre später überraschend gut.
Am Ende des Essens steht in der Charente häufig ein kleines Glas Cognac, das man langsam trinkt, ohne ihn zu mischen. Dunkle Schokolade oder Nüsse passen zu den Noten von Haselnuss und Toffee, die man aus den Borderies kennt.