
Nosing-Glas, Tulpe
Verkosten
Wie verkostet man Cognac aus den kleinen Lagen? Ein Nosing-Glas oder eine Tulpe mit schmaler Öffnung hält die Aromen zusammen, während ein weiter Schwenker viel davon verfliegen lässt. Der Brand sollte Zimmertemperatur haben, etwa 18 bis 20 Grad, und braucht keine Kühlung und keine Erwärmung in der Hand.
Aus den Borderies füllt das unabhängige Familienhaus Camus, gegründet 1863, nach Angaben des Hauses einen VSOP ab; auch Martell hat einen Single Cru Borderies im Programm, und die Marke Cognac Park führt einen Borderies XO. Sie zeigen den Cru in verschiedenen Ausbauformen.
Bei einem Borderies stehen in der Nase Veilchen und Haselnuss vorne, am Gaumen folgen Toffee und eine weiche, runde Textur. Wer zum ersten Mal vergleicht, riecht zuerst und nippt dann; der Alkohol sticht bei 40 Prozent kaum, bei Fassstärke deutlicher. Ein paar Tropfen Wasser öffnen den Brand, aber erst nach dem ersten Riechen.
Ein Gegenstück von der Küste liefert Grosperrin: Das Haus hat einen Jahrgang 1990 aus Bois ordinaires von der Île d'Oléron mit 46,2 Prozent Alkohol abgefüllt, Lot 933. Solche Flaschen zeigen, wie ein Küsten-Cru nach Jahrzehnten im Fass schmeckt, und ermöglichen den Vergleich mit den inneren Lagen.
Fins Bois findet sich bei vielen Händlern, die Lagen getrennt abfüllen; wer sie neben einen Borderies stellt, bemerkt oft, dass die Fins Bois fruchtiger und weniger blumig wirken. Die Farbe reicht von Strohgelb bei jungen Bränden bis Mahagoni bei alten, doch sie verrät wenig, weil Zuckerkulör nachhelfen darf.
Ein Probierset aus drei Gläsern, jeweils mit einem kleinen Schluck, reicht für einen Vergleich. Zwischen den Proben helfen Wasser und ein Stück Brot. Beim Vergleich der Lagen zählt vor allem, wie lang der Nachklang bleibt und ob eher Blume oder Frucht vorn steht.