
Urkunde und Familienbetrieb
Region & Geschichte
Wer nach Fraxern hinauffährt, lässt das Rheintal unter sich und steht auf rund 1 000 Metern an einem Südhang, an dem überraschend viele Kirschbäume wachsen. Schon 1574 taucht die Fraxner Kirsche in einer Urkunde auf, geschrieben „Khriespern“. Das mundartliche Wort Kriasi für Kirsche geht auf das französische „cerise“ zurück.
Was ist Fraxner Kirsch? Ein Kirschwasser, also ein Obstbrand aus vergorenen Kirschen, den man im Ort auch Fraxner Kriasiwasser nennt. Mit der Mechanisierung der Brennerei im 19. Jahrhundert wurde das Brennen in der Berggemeinde verbreiteter. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums sind rund 35 bäuerliche Brenner aus Fraxern daran beteiligt.
Anders als das Schwarzwälder Kirschwasser trägt der Fraxner Kirsch keine EU-Herkunftsangabe. Er steht stattdessen in der Liste traditioneller Lebensmittel des Ministeriums, die überlieferte Herstellung und Herkunft festhält.
Unten im Rheintal wuchs aus dem Gasthaus „Zum Freihof“ in Lustenau die Destillerie Freihof, gegründet 1885 und bis heute in Familienhand. Im selben Ort arbeitet die Privatbrennerei Gebhard Hämmerle, deren Williams-Birnenbrand international gehandelt wird.
In Hörbranz führt die Familie Prinz ihre Brennerei nach eigenen Angaben seit 1886, inzwischen in vierter Generation. Aus einem Hof mit kleiner Wirtschaft wurden dort Fassbinderei, Kelterei und schließlich die Destillerie.
Eine Besonderheit ist das Brennrecht für den Eigenbedarf. Der steuerfreie Hausbrand liegt in Österreich bei höchstens 27 Litern Alkohol je landwirtschaftlichem Haushalt, in Vorarlberg dürfen es dagegen bis zu 50 Liter sein, mit je 6 Litern pro Person. Gebrannt wird auch hier nur mit Anmeldung beim Zollamt.