Die kurze Antwort
Gin kannst du gut pur probieren. Nimm ein kleines Glas und schenk wenig ein, dann kommen Wacholder und Kräuter zur Geltung. Eiskalt schmeckt er weicher, aber du riechst deutlich weniger.

Welches Glas eignet sich?
Ein kleines Glas mit verengtem Rand reicht, ein Weinglas tut es auch. Schenk nur wenig ein und rieche zuerst aus etwas Abstand. Ein randvoller Tumbler macht den Vergleich schwer, ein teures Spezialglas brauchst du nicht. Wichtig sind nur: sauber, geruchsfrei und Platz über dem Gin.
Die verengte Form hat einen einfachen Grund. Sie sammelt den Duft über der Flüssigkeit und führt ihn zur Nase. Aus einem weiten Glas zieht er seitlich ab. Deshalb reicht auch wenig Inhalt — es geht um den Raum darüber, nicht um die Füllhöhe.
Temperatur und Wasser
Fang bei Zimmertemperatur an, nicht in der Sonne und nicht neben der Heizung. Sticht dir der Alkohol zu sehr, gib in eine zweite Probe ein paar Tropfen stilles Wasser und vergleich. Schreib auf, was sich ändert. Eis kühlt und verdünnt gleichzeitig — dann änderst du zwei Dinge auf einmal.
Kälte dämpft den Duft und betont das Mundgefühl. Eiskalter Gin wirkt weicher und runder, gibt aber von seinen Kräutern wenig preis. Zum Kennenlernen ist das der falsche Moment zum Kühlen. Danach, zum Genießen, kann es genau richtig sein.

Worauf du achten kannst
Such zuerst den Wacholder, dann Zitrone, Gewürze oder Blüten. Nimm einen kleinen Schluck und achte darauf, ob der Geschmack schnell weg ist oder lange bleibt. Du musst keine Zutat erraten. Wenn du Zitrone schmeckst, heißt das nicht, dass Zitronenschale drin war.
Der erste Schluck sollte klein sein. Der Mund gewöhnt sich schnell an Alkohol, und was beim zweiten Schluck angenehm ist, war beim ersten oft zu viel. Zwischen zwei Proben hilft ein Schluck Wasser mehr als eine Pause.
Pur muss dir nicht am besten schmecken
Ein Gin kann dir im Tonic besser gefallen als allein. Das sagt nichts über deinen Geschmack aus. Kaufst du für Cocktails, entscheide im fertigen Drink und nicht beim Pur-Probieren. Für den Vergleich reichen kleine Mengen — mehrere volle Gläser bringen dich nicht weiter.
Zwei Gins nebeneinander
Der Vergleich sagt mehr als jede Einzelprobe. Nimm zwei Gins mit deutlich verschiedener Beschreibung, einen wacholderbetonten und einen zitronigen oder blumigen. Gleiche Menge, gleiches Glas, gleiche Temperatur. Der Unterschied fällt dann von selbst auf, und du brauchst kein Fachwort dafür.
Riech abwechselnd an beiden, statt jeden einzeln zu bewerten. Unsere Nase ist gut im Vergleichen und schlecht im Einordnen. Genau deshalb funktioniert das nebeneinander viel besser als an zwei Abenden.