
Tagay im Kreis
Trinkkultur
Die zentrale Trinkform in Manila heißt Tagay. Eine Gruppe sitzt im Kreis, ein einziges Glas geht reihum. Ein sogenannter Tanggero, der Einschenker, füllt es vor jeder Runde neu. Wer an der Reihe ist, trinkt das Glas in einem Zug leer und reicht es weiter.
Tagay ist mehr Ritual als Trinkspiel. Oft widmet der Tanggero die erste Runde still den Ahnen der Runde, bevor überhaupt getrunken wird. Das ist ein Rest älterer, animistischer Bräuche. Sie haben sich mit dem katholischen Alltag der Philippinen vermischt.
Getrunken wird meist die runde Bilog-Flasche Ginebra San Miguel. Oft ist sie pur oder nur mit einem Schuss Wasser und Eis unterwegs, seltener als Mixgetränk. In den Bars des Ausgehviertels Poblacion in Makati, direkt an Manila angrenzend, trifft diese Straßentradition inzwischen auf Craft-Cocktails. Dort stehen Gin Tonic und Martini auf der Karte.
Zwischen beiden Welten liegt der Sari-Sari-Laden, der kleine Nachbarschaftskiosk an fast jeder Straßenecke. An seiner Theke geht Ginebra San Miguel literweise über den Tresen, meist in kleinen Plastikbechern abgemessen. Das passiert vor allem am Feierabend, oft zu fünft an einem Plastiktisch auf dem Gehsteig, nicht weit von Quiapo entfernt.
So existiert Manila als zwei Trinkstädte gleichzeitig, und beide teilen sich am Ende dieselbe Flasche. Die eine ist laut und gesellig, mit ihrem Tagay auf der Straße. Die andere ist eine aufstrebende Bar-Szene rund um Poblacion. Sie verwandelt denselben Gin, manchmal auch neue Craft-Marken, in Longdrinks und Cocktails.