
Süß, scharf, warm
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Ginebra San Miguel schmeckt runder als ein trockener London Dry Gin, dazu leicht süßlich. Im Antrunk liegt eine warme Alkoholschärfe, die von der Melassebasis kommt. Dazu gesellt sich eine klare Zitrusnote, die auf die Calamansi zurückgeht.
Wer Ginebra San Miguel Premium probiert, findet ein sanftes, fast weiches Mundgefühl bei 35 Prozent Vol. Die klassische 40-Prozent-Ausführung wirkt dagegen deutlich schärfer und geradliniger. Sie steht näher an einem Schnaps als an einem europäischen Gin.
Als Gegenpol steht ARC Archipelago Botanical Gin von Full Circle Craft Distillers aus Calamba City. Er ist blumig durch Sampaguita und Ylang-Ylang. Eine kühle Nadelnote kommt von der Benguet-Kiefer, dazu eine fruchtige Süße durch Mango und Pomelo. Insgesamt wirkt er komplexer und leiser im Alkohol als das Volksgetränk.
Beim Verkosten lohnt sich pures Probieren bei Zimmertemperatur, in kleinen Schlucken, nie hastig in einem Zug wie beim Tagay. Zwischen den Proben hilft ein Schluck stilles Wasser, um die Zunge zurückzusetzen. Wer beide Stile hintereinander verkostet, den industriellen und den kleinen Craft-Gin, schmeckt sofort den Unterschied. Manila selbst versteht Gin auf zwei Arten: einmal als tägliches Getränk für alle, einmal als Ausdruck eines ganzen Archipels.
Am ehrlichsten zeigt sich der Unterschied im Abgang. Ginebra San Miguel endet kurz und warm, fast wie ein Schnaps. Der Archipelago Gin aus den Bars von Poblacion klingt dagegen deutlich länger nach, mit Blüte und Harz, die noch Minuten später im Mund bleiben.