
Bandera und colmado
Essen & Trinkkultur
Das Mittagessen heißt in vielen Häusern la bandera, die Flagge: Reis, rote Bohnen, geschmortes Fleisch und ein Salat. Am Morgen steht mangú auf dem Tisch, ein Püree aus gekochten grünen Kochbananen mit Zwiebeln, dazu Ei, gebratener Käse oder Salami.
Der sancocho, ein Eintopf aus mehreren Fleischsorten, Maniok, Yams, Kochbananen und Mais, gilt als Festessen. Er ist kräftig, fett und salzig. Gerade solche Gerichte vertragen einen Rum mit Vanille und Karamell, denn die Süße gleicht das Salz aus und das Holz hält dem Fett stand.
Zu Frittiertem wie tostones, flachgedrückten Kochbananen, und chicharrón passt ein einfacher Rum mit Cola und Limette. Ron con cola heißt die Mischung, und vielerorts bestellt man sie im colmado, dem Laden an der Ecke, der zugleich Treffpunkt ist. Neben den Regalen mit Lebensmitteln steht dort ein Tresen, und vor der Tür wird an manchen Abenden Domino gespielt. Beim Rum geht es dort meist um Gesellschaft, weniger um Menge.
Ein Klassiker ohne Alkohol ist morir soñando, wörtlich „träumend sterben“: Orangensaft, Milch, Zucker und zerstoßenes Eis. Das Rezept kommt ohne Rum aus, und gerade die Mischung aus Säure und Cremigkeit macht es zum festen Teil der dominikanischen Trinkkultur.
In San Pedro de Macorís pflegen die Nachfahren der cocolos die Guloyas, ein Tanztheater mit Kostümen, das an die Einwanderer von den englischsprachigen Inseln erinnert. So erzählt auch das Essen und Feiern im Südosten von der Zuckerzeit, der die Region ihre Städte und ihren Rum verdankt.