
Ebene und Tal
Region & Geschichte
Rum aus Clarendon steht selten unter dem Namen seiner Brennerei im Regal, steckt aber in vielen Flaschen. Clarendon Distillers sitzt in Monymusk bei Lionel Town auf der Vere-Ebene im Süden Jamaikas und füllt vor allem Tankwagen und Fässer statt Flaschen. Wer wissen will, woher mancher Rum aus Jamaika stammt, der keinen Brennereinamen trägt, landet häufig hier.
Zucker prägte die Insel, seit die Briten sie 1655 erobert hatten. Angebaut, geschnitten und verarbeitet wurde das Rohr von versklavten Menschen aus Afrika; erst 1838 endete in Jamaika auch die erzwungene Lehrlingszeit, die auf die Abschaffung der Sklaverei folgte. Die Zuckerfabrik von Monymusk nahm 1901 den Betrieb auf, und die Brennerei gehörte zunächst zu ihr, weil die Melasse nur über den Hof reisen musste.
Ein zweites Zentrum liegt nördlich im Tal von Lluidas Vale, einem Becken zwischen Bergketten im Parish St. Catherine. Worthy Park baut dort seit Jahrhunderten Zuckerrohr an; wann genau der Betrieb begann, geben die Quellen unterschiedlich an. Die Rumproduktion ruhte seit 1962. 2005 begann der Bau einer neuen Brennerei, und 2007 kam mit Rum-Bar der erste Rum, ein ungereifter Overproof.
Clarendon gehört National Rums of Jamaica, kurz NRJ, an der drei Gesellschafter je ein Drittel halten: der jamaikanische Staat über die National Sugar Company, Demerara Distillers aus Guyana und Maison Ferrand aus Frankreich. In New Yarmouth, ebenfalls in Clarendon, entsteht Wray & Nephew White Overproof. Die Firma J. Wray & Nephew gehört seit 2012 zu Campari.
Seit 2016 schützt die Herkunftsbezeichnung Jamaica Rum den Namen für die ganze Insel, verwaltet von der Spirits Pool Association. Sie verlangt Destillation und Reifung in Jamaika und erlaubt nach dem Brennen nur Wasser und Zuckerkulör, aber keine Süßung. Für Rum aus Clarendon und Lluidas Vale gelten damit dieselben Regeln wie für Rum aus jeder anderen Ecke der Insel.