
Overproof und Navy-Blend
Rumstil
Welche Rumstile gehören zu Kingston? Zwei lassen sich sauber trennen: der Jamaika-Blend, der als White Overproof auf den Tresen kommt, und der Navy-Verschnitt, der aus der Ration der Royal Navy hervorging.
Der Jamaika-Blend mischt Pot- und Säulendestillat. Er ist ungesüßt, weil die Herkunftsangabe es verlangt, und kommt meist klar und kräftig in die Flasche. Im Glas stehen reife Frucht und eine spürbare Schärfe nebeneinander.
Der Unterschied zum Hochester-Pot-Still-Rum aus Trelawny liegt im Verfahren. Dort steht das eine, besonders aromatische Destillat im Mittelpunkt, hier die Mischung, die den Geschmack ausbalanciert und die Stärke festlegt.
Der Navy-Verschnitt ist dagegen keine Rechtskategorie und keine geschützte Herkunft. Gemeint ist ein Verschnitt westindischer Rums, bei dem ein Anteil aus Guyana typisch ist. Bekanntester Vertreter ist Pusser's. Seine Stärke liegt oft um die 57 Prozent, die man „Navy Strength“ nennt.
Im Alltag verbindet sich der Jamaika-Blend mit dem Haus J. Wray & Nephew und seiner Mischkunst aus Kingston, der Navy-Verschnitt mit dem Grog der Seeleute. Beide Stile sind Rums des Mischens, nicht des einzelnen Fasses, und deshalb lassen sich Stärke und Charakter gezielt einstellen. Beide Stile teilen die Herkunft aus dem Verschnitt, und bei beiden gilt: Der Name auf dem Etikett verrät weniger als die Angaben zu Stärke und Zusammensetzung. Wer wissen will, was in der Flasche steckt, schaut nicht auf die Farbe, sondern auf Stärke, Zuckergehalt und den Hinweis auf Pot oder Säule.
Jamaika Blend / OverproofMelasse · Brennblase und Kolonne
- Alkohol
- 40–63 % vol
- Reife im Fass
- 0–12 Jahre
Reife Frucht und Schärfe, Pot- und Säulendestillat gemischt, ungesüßt, sehr kräftig im Abgang.